Blutegel saugen, Knochen tönen
Bodycheck: Zwei machen Kunst mit dem eigenen Körper
Hamburg. Ein Mädchen schaut auf einen bläulich schimmernden Laptop-Bildschirm, ruhige Klänge im Hintergrund verstärken die Stille. Wenig ungewöhnlich, eher langweilig sogar - wäre da nicht, angedockt zwischen der blassen Mädchenstirn und dem Monitor, ein kleines, irgendwie seltsam wurstartiges Vieh. Schmal zuerst, dann, nach einigen rhythmischen Zuckungen, immer runder, größer und satter - die lebende Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: ein Blutegel.
Mit ihrem Video "Egel, Chip" gewann die Kunststudentin Dorcas Müller (29) Anfang des Jahres den zweiten Preis der Ausschreibung "Bodycheck - wie viel Körper braucht der Mensch?" des "Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung". Den Anstoß zu Müllers künstlerischem Selbstexperiment lieferte eine Zeichnung des Biophysikers Peter Fromherz, unter dessen Ägide zu Beginn der 90er-Jahre die ersten Neurochips mit Blutegelhirnzellen hergestellt wurden.
Im Rahmen des heute stattfindenden wissenschaftlichen Forums "Bodycheck - Der Körper zwischen Kunst und Wissenschaft", einer gemeinsamen Tagung der Körber-Stiftung und der Freien Akademie der Künste, zeigt Dorkas Müller ihre mittlerweile erweiterte Blutegel-Performance live vor Publikum. Außerdem bringt der Studienpreisträger Robin Hoffmann (32) seine Knochen zum Klingen: Der Absolvent der Folkwang-Hochschule präsentiert "AN-SPRACHE", ein Body-Percussion-Solo. (msch)
Heute um 19.30 Uhr in der Freien Akademie der Künste, Klosterwall 23, Eintritt: 3 Euro, erm. 2 Euro.



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