The Notwist beim Sommerfestival
Orchestrierte Elektro-Rock-Experimente
Es war ein Start mit Hindernissen. Vor dem Eingang der Halle k6 auf Kampnagel warteten schon eine halbe Stunde vorher die ersten Gäste. Ausverkauft,
Hamburg. Es war ein Start mit Hindernissen. Vor dem Eingang der Halle k6 auf Kampnagel warteten schon eine halbe Stunde vorher die ersten Gäste. Ausverkauft, hieß es zum Konzert der Avantgarde-Elektroniker The Notwist gemeinsam mit dem Andromeda Mega Express Orchestra, gleichwohl gab es für den bestuhlten Saal keine festen Plätze. Am Ende musste sich die Menge dann auch noch zu einem anderen Eingang bewegen. "Ist doch schön kuschelig hier", kommentierte ein Gast die schweißtreibende Enge. Zum Glück sind Notwist-Fans wie ihre Musik: geduldige, reflektierte Zeitgenossen. Ein prachtvolles Klang-Experiment sollte sie entschädigen.
Mit einer Science-Fiction-artigen Kakofonie leitete ein umnebeltes Andromeda Mega Express Orchestra den Abend ein. Im Vordergrund die drei Notwist-Soundtüftler aus dem oberbayerischen Weilheim. Unter Jubelpfiffen ertönte die Hit-Single "Where In This World" vom aktuellen Album "The Devil, You And Me". Schon für die Aufnahmen zum Album hatte das Berliner Orchester ein paar eigenwillige Streicherpartien beigesteuert. Sänger Markus Acher bearbeitete seine Gitarre wie ein Krautrocker. Stimmlich traf er den richtigen Ton nicht immer. Doch das gehört zum einzigartigen Notwist-Sound genauso wie der bajuwarisch-britische Sprachmix. Bruder Micha Acher bediente selbstvergessen den Bass, während Martin Gretschmann der Elektronik das typische Knarzen und Blubbern entlockte. Passend zu den klickernden Rhythmen ratterten Lichtsignale über die Rückwand.
Mit seiner Mischung aus neuen Tönen, Jazz und Weltraumklängen ergänzte das 20-köpfige Orchester um den Saxofonisten Daniel Glatzel die versponnenen Elektro-Rock-Spielereien hervorragend. Als Premiere begleiteten sie die Weilheimer bei überwiegend neuem Material, aber auch älteren Stücken wie "Pick Up The Phone" oder "Trashing Days" sowie der frischen Kollaboration "Come In." Die jazzigen Eigenkompositionen des Orchesters wurden nicht minder bejubelt. Experiment geglückt. Mehr davon.



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