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Digitale Bücher: Werden e-books unsere Lesegewohnheiten verändern?

Eckig, praktisch, gut?

Mit elektronischen Lesegeräten lassen sich bald 140 000 Bücher herunterladen. Stirbt dann das Buch?

Hamburg. So ein gigantischer Erfolg wie das iPhone wird der "Kindle" wohl nicht werden. Schließlich dient das digitale Buch ("Kindle" auf Deutsch in etwa "Feuer fangen") dem Lesen und nicht dem Musikhören. Aber das Lesegerät gilt als schick und ist immer mal wieder ausverkauft. Bisher ist es allerdings nur in den USA auf dem Markt. Ebenso wie Sonys "Reader", ein flaches, leichtes Gerät mit großem Bildschirm, das man aus einer "E-Book Library" mit Texten bespielen kann. Aber es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann man die Hardware für elektronische Bücher auch in Deutschland bekommt. Pfiffige, wie Arche-Verleger Niko Hansen, der sich einen "Reader" aus Amerika mitbringen ließ, arbeiten bereits gerne mit dem elektronischen Buch: "Ich lade mir Manuskripte auf den Reader", sagt Hansen "kann sie so überall lesen und muss nicht mehr eine dicke Tasche mit Texten herumschleppen. Das ist eine echte Arbeitserleichterung."

Der "Reader" ist einfach zu bedienen und sieht, in eine Hülle verpackt, beinahe aus wie ein Buch. Die Texte kann man ebenso gut lesen wie in einem Buch. Werden wir in Zukunft Bücher elektronisch so gern haben, wie auf Papier? Werden E-Books unsere Lesegewohnheiten ebenso verändern, wie der ipod die Hörgewohnheiten verändert hat?

"Warum nicht?", sagt Niko Hansen "es geht ja in erster Linie um gute Texte und nicht darum, ob sie auf Papier stehen." Hoffmann-und-Campe-Verlags-Chef Günther Berg sieht das eher skeptisch: "Ich zweifle am schnellen Erfolg der E-Books", sagt er, "die Batterien halten nicht lange genug, rechtlich bräuchte man einen Kopierschutz für die Texte und sie können zu wenig. Vielleicht hätten sie eine Chance, wenn man mit ihnen auch mailen, Musik hören und im Internet surfen könnte." Doch auch so etwas gibt es bereits. Mit dem Programm "Stanza" von Macintosh kann man Bücher aufs iPhone laden. Ebenso auf den "Kindle". Und für den "Palm" gibt es bereits knapp 40 000 Bücher zur Auswahl. Schöne neue Bücherwelt. Für Verleger und Autoren wird sich durch E-Books nicht viel ändern, solange die elektronischen Rechte zwischen ihnen geklärt sind. Für den Buchhandel könnte es kritisch werden, wenn sich immer mehr Menschen Bücher aus dem Netz laden, statt sie im Geschäft zu kaufen.

Der "Kindle" sieht aus, wie ein übergroßes Handy, mit einem Display, das etwas kleiner ist als DIN A5, wiegt 290 Gramm und kann bis zu 200 Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften speichern. Mit großen Plastiktasten blättert man durch das virtuelle Buch. Sonys "Reader" kann 160 Bücher speichern. Elektronische Bücher verkauft Sony über seinen Online-Buchladen Connect, der auch Musik und Videos für andere Geräte im Angebot hat. Rund 20 000 stehen dort derzeit zur Verfügung. "Reader" (359 $) und "Kindle" (300 $) sind seit Ende des vergangenen Jahres erhältlich. Seit Amazon, der weltgrößte Online-Buchhändler, sein Gerät auf den Markt gebracht hat, ist Bewegung in das Geschäft für elektronische Bücher gekommen.

Amazon ist der erste Medienhändler, der eine E-Book-Lösung aus einer Hand anbietet. Elektronische Bücher gibt es im Onlineshop nur für E-Bücher und digitale Zeitschriften. 140 000 Titel stehen zur Auswahl und lassen sich herunterladen, darunter fast alle Titel, die auf der Bestsellerliste der "New York Times" stehen, sowie deutschsprachige Zeitungen wie die "FAZ". Die meisten E-Bücher kosten 9,99 $, das ist deutlich günstiger als die gedruckte Ausgabe. Zeitungsabos der elektronischen Ausgaben kosten zwischen 5,99 und 14,99 $ pro Monat.

Im Unterschied zum "Reader" muss der "Kindle" an keinen Computer angeschlossen werden, sondern erhält gekaufte Bücher per Datenfunk über ein spezielles Funkmodem, das nahezu in den gesamten USA Zugang zum Onlineshop von Amazon ermöglicht. Was für ein gigantisches Geschäft könnte das werden!

Amazon hält wohlweislich die Verkaufszahlen des "Kindle" geheim. Nach Schätzungen verkaufen sich 40 000 Stück monatlich, und bis zum Jahresende könnten 800 000 Exemplare verkauft sein. Ein Analyst der Investmentbank Pacific Crest hat ausgerechnet, dass Amazon bis zum Jahr 2012 2,5 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) Umsatz mit elektronischen Büchern machen könnte. Erst eine halbwegs konkrete Umsatzzahl ist den Amazon-Geschäftsführern bisher entschlüpft: "Von den 125 000Büchern, die es als Buch wie auch für ,Kindle' gibt, machen die ,Kindle'-Verkäufe sechs Prozent aller verkauften Einheiten aus."

Auf die Frage, warum die digitalen Bücher plötzlich gekauft werden - anders als das "Rocket E-Book", das 2001 als "völlig neue Form des Lesens" den Markt revolutionieren sollte, hat Verleger Niko Hansen eine Antwort: "Erinnern Sie sich an die Bildplatte? Das war moderne Laser-Technik wie bei der DVD, die aber nicht angenommen wurde. Man weiß nicht, warum. Es braucht eben immer auch den richtigen Moment."

 

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