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Kultur & Live

Caesar & Koba: Arbeiten von David Curto

Kunst als Spaß über tödlichen Ernst

Hamburg. In der Spaßgesellschaft dient alles dem Vergnügen, Sinn wie Unsinn, Ernst wie Unfall. Selbst dem Terrorismus kann man noch eine Spaßvariante abgewinnen, wenn auch nur als kritischer Reflex. Die Probe aufs Exempel lässt sich bis 2. August noch in der Galerie Caesar & Koba machen. Jeder kann hier seinen Spaß-Terroristen basteln.

Die Spaß-Terroristen des spanischen Künstlers David Curto lassen sich leicht zusammensetzen. Papiervorlagen für Pistole oder Handgranate, für Körper und Köpfe, auch Stempel für Text-Tätowierungen liegen auf Tischen aus. Ein paar Scheren-Schnitte, fertig ist der Spaß-Terrorist. In der Galerie hängen sie gleich einer Menschenkette entlang den Wänden. Die Frage ist nur, wo ist der Spaß? Liegt er im spielerisch-unbefangenen Umgang mit einem global bedrohlichen Phänomen oder will Curto auf dessen latente Banalisierung aufmerksam machen? Etwas stört bei Vermutungen wie diesen, vor allem Curtos Hang, Terrorismus mit Staatsrepräsentanten, Ideologen oder Kirchenvertretern zwingend in Zusammenhang zu bringen. Die Köpfe zum Ausschneiden sind neben prominenten spanischen Politikern auch Merkel, Sarkozy oder der Papst.

Dass Curto auf die Entstehung der Demokratie durch Überwindung diktatorischer Grausamkeiten hinweisen möchte, mag fromme Künstlerintention sein. Auch dass er mit seiner Installation "La Mara" auf eine gleichnamige zentralamerikanische Jugendbande anspielt, durchdringt sein Thema nicht hinreichend. In seinen Arbeiten kracht es zu laut, bedient das Spiel mit den austauschbaren Polit-Promi-Köpfen allzu sehr die Klischees. Da bleibt kaum Platz für Differenzierung. Immerhin gelingt es Curto, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der der Vorwurf des Staatsterrorismus terroristischer Eigenermächtigung dient. Ideologisch fundierte Legitimationen solcher Terroristen, die wie "im Spaß" austauschbar sind, dienen da nur noch als Vorwand für Kriminalität, wie es der Fall Betancourt und die kolumbianische Farc gezeigt haben. Weder Spaß noch Farc(e), sondern tödlicher Ernst.


Am Sandtorkai 4 (2. OG), Tel. 67 95 75 90, www.galerie-caesar-koba.comwj

 

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