Benefizkonzert: Jean-Jacques Kravetz und viele Freunde im Stadtpark
Sind wir nicht alle ein bisschen Udo?
40 Jahre deutsche Rockgeschichte: Lindenberg, Maffay, die Scorpions, Achim Reichel, Inga Rumpf und andere Stars gratulierten Kravetz.
Hamburg. Am Ende war es auch eine Frage der Zeit. Da lagen aber schon vier Stunden höchst abwechslungsreicher Musik hinter dem Publikum im Stadtpark. Jean-Jacques Kravetz blickte dort am Sonnabend mit vielen Wegbegleitern von Maffay über Lindenberg, Rumpf, Kunze bis zu den Scorpions auf seine seit 40 Jahren andauernde Musikkarriere zurück.
Sein Bühnenjubiläum feierte JJK, der seit den 60er-Jahren für zahlreiche Bands in die Tasten gegriffen hat, mit diesem Konzert. Der Erlös des Abends, der auch noch als DVD und als Radiokonzert veröffentlicht werden soll, geht an seine Stiftung Entree, mit der er unbekannten Talenten den Start in eine Musikerkarriere ermöglichen möchte. "Ich habe den größten Teil meiner großen Musikerfamilie mitgebracht", begrüßte der Jubilar, gerade 60 Jahre alt geworden, sein Publikum. Das war wirklich nicht übertrieben. Wer sich da bei heiteren Bedingungen auf, über und vor der Bühne das Mikro in die Hand gab, ist sonst nur selten im Rahmen eines einzigen Konzerts zu sehen.
Kaum hatten die junge deutsche Band mit dem kuriosen Namen My Baby Wants To Eat Your Pussy, Dorkas Kiefer und Julia Neigel das Publikum angewärmt, setzte sich der Reigen richtig in Bewegung. Heinz Rudolf Kunze ebnete den Weg für Überraschungsgast Achim Reichel. Bei dessen "Aloha Heya He"-Refrain zeigten sich die Zuhörer textsicherer als bei den Scorpions, die natürlich auch "Winds Of Change" ablieferten und anschließend Drumsticks und Plektren als Devotionalien ins Volk warfen.
Peter Urban war hocherfreut über die anwesende "Phalanx der deutschen Rockmusik" und vergab in Anspielung an den Eurovision Song Contest augenzwinkernd "twelve points" für die nächste Zeitreise: Kravetz' Abstecher mit Inga Rumpf in die gemeinsame rockige Vergangenheit zu "How The Gipsy Was Born".
Fehlte eigentlich noch irgendjemand? "Ich werd verrückt, Heide Simonis!", rief ein Mann und deutete auf die Bühne, aber die rothaarige Dame am Flügel war Jean-Jacques' Schwester Monique, die ihren Bruder mit einem Gospel überraschte. Sein Sohn Pascal hatte als Zehnjähriger mit Lindenberg "Wozu sind Kriege da?" gesungen und wiederholte das nun, 27 Jahre später und einige Oktaven tiefer. Bei Lindenbergs Auftritt mit der Weltpremiere von "Mein Ding", dem Oldie "Candy Jane" und neckischen Spielen mit den Kameras und dem Publikum ließ sich Comeback-Udo zeitweise von zwei Doppelgängern begleiten - sein aktuelles Album heißt "Stark wie zwei".
Nach den Songs von Caro brannte den Maffay-Fans die Frage "Wo bleibt Peter?" unter den Nägeln. Sie skandierten seinen Namen, aber Peter kam später. Wie Udo hatte er Stadtpark-Premiere. Sein Auftritt begann erst nach der Sperrstunde um 22 Uhr. Da die Zeit hier aber ohnehin stehen geblieben zu sein schien, machte das auch nichts mehr. Musikhochschul-Präsident Elmar Lampson dirigierte die Streicher zu Maffays "Diese Sucht, die Leben heißt". Ein lebendiges Veteranentreffen fand sein umjubeltes Ende mit einem Massenfinale. Zu früh, wie viele fanden. "Wir kommen wieder", spendete Kravetz senior, dessen Musik seinen Moderationen um mehr als eine Nasenlänge voraus war, dem Auditorium Trost. "Ich bin weder Kunze- noch Lindenberg-Fan", sagte eine Frau auf dem Weg durch den dunklen Stadtpark zu ihrer Begleiterin. "Aber diese Mischung fand ich trotzdem einfach klasse."




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