Harsche Worte aus der "Emma"-Redaktion
Köln/Hamburg. Es kann bei "Emma" keine andere Frau neben Alice Schwarzer das Sagen haben. Diese Erkenntnis hatte sich bei Lisa Ortgies, seit 1. April offiziell Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift, bereits seit Längerem festgesetzt. In einem Gespräch mit "Emma"-Gründerin und Herausgeberin Schwarzer (65) sollten die nicht eingehaltenen Zusagen am späten Donnerstagnachmittag geklärt werden, das Gespräch unter vier Auge endete mit der Kündigung Ortgies' - und bekam eine seltene Eigendynamik.
Während die 41-Jährige mitteilte, sie löse ihr Arbeitsverhältnis zum 30. Juni auf, gab die "Emma"-Redaktion bekannt, "dass sie die Phase der Einarbeitung von Lisa Ortgies in die Chefredaktion nach zwei Monaten beendet". In der von Alice Schwarzer unterzeichneten Presseerklärung, die auch auf der "Emma"-Homepage nachzulesen ist und die manch einer als "Diffamierung" bezeichnet, heißt es weiter: "Zu unserem Bedauern eignet sich die Kollegin nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin." Als Autorin hingegen und als redaktionelle Mitarbeiterin mit Standort Hamburg sei sie weiterhin willkommen.
Unterschiedliche Darstellungsweisen - doch weder Alice Schwarzer noch Lisa Ortgies waren am Freitag zu einer persönlichen Stellungnahme bereit. Verschwörungstheorien sind zu hören: Sollte mit der prominenten Personalie die Zeitschrift ins Gespräch gebracht werden? Die Auflage des Zwei-Monatsblattes liegt bei 40 000 Exemplaren, rund 57 Prozent der Deutschen kennen "Emma".
Alice Schwarzer, die vor rund einem halben Jahr Lisa Ortgies als ihre Nachfolgerin vorstellte als "eine Frau, die an der Front der aktuellen Herausforderung moderner Frauen steht, will sagen: die beides vereint, Kinder und Karriere", wird vorübergehend wieder die Chefredaktion übernehmen. Über eine Nachfolgerin für Ortgies ist nichts bekannt.



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