Israel hören
Die Geschichte von der Entstehung Gottes
Hamburg. "Israel hören" ist gar kein Hörbuch. Es ist ein Hörsehriechfühlbuch, das Corinna Hesse und Antje Hinz heute in ihrem kleinen, feinen Silberfuchs-Verlag herausbringen.
"Ein Riss geht durch das Land", beginnt der Sprecher Rolf Becker. Bevor der Hörer noch zusammenzucken kann vor so viel politischer Aktualität, nimmt ihn Becker bei der Hand und weist auf die zerklüftete Gestalt des Landes. Im Vogelflug eilen wir über das fruchtbare Jordantal und karge Gebirgszüge, das rituelle Widderhorn Schofar tutet, und schon sind wir um Tausende von Jahren zurückgesprungen. Von hier an bis in die Gegenwart erzählt das Hörbuch die Geschichte Israels nach.
Die ist untrennbar verbunden mit dem Ursprung dreier Weltreligionen. Schon in der Ethymologie zeigen sich die gemeinsamen Wurzeln, die die Fanatiker im Nahen Osten mit der Waffe bestreiten. Den Namen des friedfertigen Jerusalemer Herrschers Salomo etwa bringen alle semitischen Sprachen mit "Friede" in Verbindung. Salomo taucht nicht nur in der Bibel auf, sondern auch in den Märchen von Tausendundeiner Nacht.
Im fernen Babylon bildete das verschleppte Volk Israel erstmals eine jüdische Identität. Mehr noch, in der Bedrängnis des Exils entwickelte sich die Vorstellung von dem einen, personalen Gott, dessen himmlisches Reich von dem irdischen getrennt war. Was zu unserer kulturellen Prägung mit der größten Selbstverständlichkeit dazugehört, wurde damals zum ersten Mal gedacht.
Hesse und Becker machen aus dem immensen Stoff eine sinnlich fassbare, berührende Erzählung: unaufgeregt, genau und ohne die pädagogische oder gar politisch korrekte Keule zu schwingen. Die kluge Musikauswahl von Antje Hinz tut das Ihrige dazu; ganz selten langt Hinz arg tief in die Filmmusikkiste. Schade ist nur, dass die Quellenangaben den Tracks nicht zugeordnet sind.
"Ein Riss geht durch das Land", sagt Becker am Schluss - und diesmal beschwört er keine Idylle. Bitter ist die Ankunft im heutigen Israel.













