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Kultur & Live

Mark Rothko: Eine Woche vor Ausstellungseröffnung zu Gast in der Kunsthalle

Reisen im Großformat

Bevor die Besucher kommen, sind Kunstkuriere, Kuratoren, Restauratoren und Gutachter beschäftigt.

Hamburg. "Der Fußboden ist sehr glatt. Ich weiß nicht, wie er auf das Gewicht reagiert", sagt Anette Kruszynski und blickt kritisch zu Boden. "Sie dürfen es nicht zu schräg halten, damit es nicht wegrutscht", sagt sie zu den Männern der Spedition Hasenkamp, die zwar weiße Handschuhe tragen, aber trotzdem so aussehen, als würden sie üblicherweise Klaviere transportieren. Es gibt Bilder, die sind mindestens so schwer wie Klaviere. "La Terrasse de Vernon" von Pierre Bonnard ist ein solches Schwergewicht. Mehr als 600 Kilogramm hat die Transportkiste gewogen, die für die Mark-Rothko-Retrospektive nach Hamburg geliefert und zunächst im ersten Stock der Galerie der Gegenwart abgestellt wurde.

Dort haben die Hasenkamp-Leute jetzt den eigentlichen Bildträger herausgezogen und auf die Ausstellungsebene gebracht, stets unter den kritischen Augen von Anette Kruszynski. "Dürfen wir jetzt?", fragt einer der Männer, und als die Dame nickt, heben sie das 2,52 Meter hohe und 3,19 Meter breite Gemälde aus der Transporthalterung und tragen es vorsichtig quer durch den Raum zu der vorgesehenen Wand.

Danach rückt ein Kunsthallenmitarbeiter einen lichtstarken Scheinwerfer heran und überlässt Anette Kruszynski das Feld. Die Kunsthistorikerin ist Kuratorin an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, der Leihgeberin des Bonnard-Gemäldes. Sie hat das kostbare Bild als Kurier von Düsseldorf nach Hamburg begleitet. Jetzt nimmt sie gemeinsam mit einer Restauratorin der Hamburger Kunsthalle ein Zustandsprotokoll auf.

Inzwischen schrauben die Männer von Hasenkamp, der führenden deutschen Kunstspedition, eine kleinere Kiste auf. Die hat dafür einen viel weiteren Weg hinter sich. Es ist ein Mark-Rothko-Gemälde aus dem Museo Tamayo Arte Contemporaneo in Mexiko-City. Diesmal überwacht Señor Juan Carlos Pereda das Geschehen. Auch er gehört zu jenen Kunstkurieren, die manchmal um die halbe Welt reisen, um wertvolle Leihgaben zu begleiten. Die Männer heben das abstrakte, aus roten, gelben und orangen Farbflächen bestehende Bild aus der Transportkiste und legen es behutsam auf einem mit Velours bezogenen Packtisch ab.

Señor Pereda ist vorläufig nicht ansprechbar; konzentriert beugt er sich über die Leinwand und untersucht sie mithilfe einer beleuchteten Lupe. "Wir sind froh, dass wir dieses Bild in Hamburg ohne Rahmen zeigen dürfen, denn nur so kann es sich im Raum entfalten. Es hätte auch sein können, dass der Kurier darauf besteht, dass das Gemälde im Rahmen bleibt", sagt Daniel Koep, der Projektleiter der Hamburger Rothko-Retrospektive.

Seit Tagen reisen Kunstkuriere in Hamburg an, um Gemälde sicher in die Kunsthalle zu geleiten. "Die Transportkosten, zu denen auch die Ausgaben für die Kuriere gerechnet werden, machen einen großen Teil des Budgets aus", sagt Koep. Wie hoch das Budget ist, will er nicht sagen, nennt aber immerhin eine Kennzahl: 200 000 Besucher müssen sich die Ausstellung ansehen, damit die Kosten gedeckt sind. Und auch diese Rechnung geht nur dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren auf. So übernimmt zum Beispiel E.on Hanse die Kosten für die Werbung.

Begonnen haben die Ausstellungsvorbereitungen schon vor Jahren, unmittelbar nach Amtsantritt von Hubertus Gaßner als Kunsthallen-Direktor. "Wichtig war für uns die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München, wo die Schau zuvor in etwas kleinerer Form gezeigt worden ist", sagt Koep, und erzählt von jahrelangen Verhandlungen mit den Leihgebern, in denen die Frage nach den Versicherungssummen eine erhebliche Rolle gespielt habe. "Wir haben in Hamburg zwar die Staatshaftung.

Im Schadensfall würde also die Kulturbehörde die Kosten übernehmen, aber manche Leihgeber bestehen dennoch auf Abschluss bestimmter Versicherungen", sagt Koep und erzählt, wie die Versicherungssummen im letzten Jahr in die Höhe schnellten. Grund dafür war eine Auktion bei Sotheby's in New York, wo das Rothko-Gemälde "White Center" den Rekordpreis von 73 Millionen Dollar brachte.

Ende August werden Frau Kruszynski, Señor Pereda und die anderen Kuriere wieder nach Hamburg kommen, um die millionenschweren Gemälde abzuholen. Daniel Koep ist guter Hoffnung, dass die Ausstellung ein Erfolg wird und die immensen Kosten einspielt. "Rothko ist einer der ganz Großen und es ist eine Sensation, dass ein deutsches Museum eine solche Schau überhaupt zustande bringt", sagt der Projektleiter, und schaut dennoch etwas missmutig in den strahlend blauen Hamburger Himmel. Dann meint er: "So ein Wetter wie heute können wir natürlich überhaupt nicht gebrauchen, dann bleibt das Museum leer."


Die Mark-Rothko-Retrospektive ist vom 16. Mai bis zum 24. August in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

 

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