19.02.08

Die Partei: Der Satiriker Heinz Strunk beweist: Die Spaßgesellschaft war nie tot

Politik ist, wenn man's trotzdem macht

Von Maike Schiller

Hamburg. Rote Plastikkugelschreiber von der SPD, Luftballons von der CDU, an der Ecke ein "Hinz & Kunzt"-Verkäufer und die Veganer-Vereinigung, die mit dem rührenden Slogan "Mein Fleisch gehört mir" für tierliebe Kost wirbt. Wer durch Ottensens Fußgängerzone will, muss Stellung beziehen.

Während der benachbarte Quetschkommodist sich unermüdlich seine Euros erklezmert, wird nur wenige Meter vom Veganer-Stand entfernt für einen Spitzenkandidaten Wahlkampf gemacht, der unter den Gegnern des Krustenbratens kaum einen Wähler finden dürfte: Heinz Strunk, Mitglied der Spottcombo Studio Braun und Autor des Bestsellers "Fleisch ist mein Gemüse". Strunk kandidiert für "Die Partei". Nachdem man einen Begriff wie "Spaßgesellschaft" längst eingemottet glaubte, treffen sich die letzten Mohikaner derselben und erklären den Wahlkampf zur Satire-Show. Mit Strunk am Mikro und der Versicherung "Wir sind keine Spaßpartei - dafür gibt's ja die FDP".

Fleisch ist sein Gemüse und Politik seine Pointe. Entstanden ist "Die Partei" im Umfeld des Satire-Magazins "Titanic", deren ehemaliger Chefredakteur Martin Sonneborn ist ihr Vorsitzender und "Dorfpunk" Rocko Schamoni trat bereits 2005 zur Bundestagswahl an - unter dem Motto "Verhindert das Merkel". Ihm folgt nun sein "Studio Braun"-Kollege Strunk, womit die Spitzenkandidatur praktisch in der Familie bleibt: Noch vor Kurzem mimte Schamoni am Schauspielhaus Strunks Opa. Wer sich auf eine gemeinsame Pointe verständigen kann, der einigt sich auch auf Gesellschaftsutopien. Manchmal ist es so einfach.

Denn ein Programm gibt es durchaus: Unter dem geradezu genial konsensfähigen Slogan "Hamburg - Stadt im Norden" setzt sich "Die Partei" ("Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative") für die Umgestaltung des Schanzenviertels zum Rentnerparadies ein, für - dass da nicht früher einer drauf gekommen ist - ein Verbot von Kriminalität ("Jugendgewalt: ohne uns!") und verspricht "Kandidaten, die bereits im Wahlkampf gefährlich gesichtslos oder grausam amtsmüde wirken". So ehrlich ist nicht jeder.

Dabei sind nicht alle dieser Gebeutelten hauptberuflich im Humormilieu beschäftigt - jedenfalls nicht vordergründig: Kristina Sassenscheidt, laut Parteiwebsite "ab 2009 Bundeskanzlerin" und hinter Heinz Strunk auf dem zweiten Hamburger Listenplatz, arbeitet im Brotberuf für das Denkmalschutzamt - also im Grunde für die Kulturbehörde.

Subversive Spaßoffensive in der Behörde? Dort sieht man die Sache unaufgeregt: "Das ist ihre Privatangelegenheit." Immerhin darf man am Ottenser Wahlstand der "Partei" ganz offiziell (allerdings keineswegs ironiefrei) den noch amtierenden Senat stürzen: an der Dosenwurfbude. Hübsch säuberlich haben Strunks "Partei"-Genossen die Senatorenporträts ausgeschnitten, auf Blechbüchsen geklebt und übereinandergestapelt. Die Kultursenatorin lächelt obenauf. Allerdings nicht lange. Wer will, kann die Pyramide scheppernd zum Einsturz bringen. Bürgerbeteiligung auf dem Jahrmarkt der politischen Eitelkeiten.

Strunk selbst gab schon zur Wahlkampferöffnung im Bunkerklub Uebel & Gefährlich einen der Szene angemessenen Spitzenkandidaten ab: Gut gelaunt und noch besser abgefüllt lallte er fröhlich das Parteiprogramm von der Bühne. Wer zuhören und dabei auch seinen Spaß haben wollte, zahlte Eintritt. Politikverdrossenheit? Satire zumindest ist dem Wähler sein Geld wert.

Dem eher unfreiwillig von "Partei"-Plakaten lächelnden Bürgermeister ("Schwule Wähler aufgepasst: Ole von Beust ist in der CDU") dürfte es trösten, dass die Fünf-Prozent-Hürde kaum zu schaffen sein wird. Gefeiert wird am Sonntag trotzdem. Der Wahlsieg, was sonst. Man will schließlich nicht bloß eine komische Randnotiz sein: "Comedy", heißt es nämlich im Wahlprogramm, "ist sinnentleerter, ideologischer und sprachlicher Dreck." Kann sein. Aber zuweilen eben auch ein Spaß für die Gesellschaft.

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