Redensarten: Ich sag mal . . .
Kompetenzteam Wumbaba
Haben Sie gewusst, dass Sprache "a Brand Building Factor" ist? Dann wissen Sie es jetzt, seit es in Hamburg nämlich eine "Agentur für Sprache" gibt, die entdeckt hat, dass "Sprache - markengerecht und zielgruppenadäquat - Aufmerksamkeit erzeugen, Emotionen wecken, Kompliziertes einfach erzählen (kann)".
Ach nee? Dann, verdammt noch mal, tut das doch bitte auf Deutsch!
O.k., nicht schon wieder Anglizismen. Vielleicht mag mir stattdessen jemand erklären, was ein Kompetenzteam ist. Ja doch, das sind Leute, mit deren Hilfe ein Kandidat, wenn er denn regieren könnte, vielleicht regieren würde. Früher nannte man so was ein Schattenkabinett, was auch nicht so toll klingt, aber ganz plastisch ist.
Hingegen Kompetenzteam: Sind das Leute, deren Kompetenz erst im Team, also in einem Rudel, erkennbar wird? Sind es bloß Ratgeber, oder müssen wir uns diese Leute auch als Amtsträger vorstellen? Alles nur Wahlkampfgerede?
Die Welt ist voll von solchem Gerede, nicht nur im Wahlkampf. Versuchen Sie mal wegzuhören, wenn Wichtigtuer im Restaurant, im ICE oder im Flughafenbus ihre Bedeutungsdefizite fortissimo durch "wichtige Geschäftstelefonate" per Handy zu kompensieren versuchen.
Ich hatte neulich sogar an der Alster einen Spaziergänger neben mir, der auf dem ganzen Weg laut in sein Handy gequatscht hat; für die Alster hatte er keinen Blick, hat nur zwischendurch mal seinem Hund gepfiffen, der nicht angeleint (also wohl gesetzwidrig) Jagd auf die Futter suchenden Wasservögel gemacht hat.
Aber: Versäumen wir eigentlich was, wenn wir Sprache nur noch als Gerede nutzen?
Und ob! Wir verlernen den Sinn dafür, dass Sprache Wunder tun kann. Wir versäumen das Glück, dass ein paar Zeilen eines längst vergessenen Gedichts uns bei einer unverhofften Wiederbegegnung Tränen der Erkenntnis und der Überwältigung in die Augen steigen lassen und in den Ruf des todgeweihten Marquis Posa einstimmen lassen kann: "Das Leben ist doch schön!"
Bevor Sie mich jetzt für einen sentimentalen alten Trottel halten, will ich noch schnell den "weißen Neger Wumbaba" zitieren. Der ist, meinem berühmten Kollegen Axel Hacke sei Dank!, entstanden, weil jemand eine Zeile aus Matthias Claudius' "Abendlied" falsch gehört hat: "der weiße Nebel wunderbar" (der aus den Wiesen steiget).
Hacke hat daraus eine Ode an das Verhören und viele lustige Geschichten gemacht - das Leben ist doch schön!



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