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Kultur & Live

Tonträger: Das neue Album der Ärzte - aus Berlin!

Rocken wie ein junger Gott: Farin, Bela, Rod

Die "beste Band der Welt" meldet sich mit der sehr starken und dynamischen CD "Jazz ist anders" wieder zurück.

Hamburg. "Zwei weniger, die an der deutschen Pop- und Rockmusik herumdoktern" höhnte das Abendblatt im Juli 1988 nach dem vorläufigen Ende der 1982 in Berlin gegründeten Bürgerschreck-Rocker Die Ärzte. Nach einem sagenumwobenen Abschiedskonzert in Westerland war Schluss mit frechen Attacken auf den guten Geschmack, die regelmäßig von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Index befördert wurden. Wie kurzsichtig, denn 1993 ging es, geplagt von wenig erfolgreichen Solo-Projekten, für Farin Urlaub und Bela B. wieder ans "Geldverdienen". Die dazugehörige sehr selbstbewusste Zeitungsannonce "beste Band der Welt sucht Plattenfirma" nahm den Erfolg der kommenden Jahre vorweg: Mit sechs Studioalben sowie diversen Live-, DVD- und Singleveröffentlichungen knackten Bela, Farin und der 1993 zur Band gestoßene Ex-Rainbirds-Gitarrist Rodrigo Gonzalez regelmäßig die Top Ten, obwohl oder gerade weil sie den Fun-Punk alter Tage mit diversen Stilen von Disco bis Salsa kombinierten. Sie konnten sich Mainstream-Humorpop Marke "Männer sind Schweine" ebenso leisten wie die Single-Auskopplung des 30-Sekunden-Rockers "Yoko Ono"; es wurde ihnen ebenso aus den Händen gerissen wie die zwei nur online oder über Guerilla-Marketing vertriebenen "Bullenstaat"-Songsammlungen. Auch dank stets ausverkaufter Tourneen reicht ihr Swimmingpool mittlerweile wohl in der Tat "von Casablanca bis nach Istanbul" - ein Mordsmodul.

Die "beste Band der Welt": Sie kann sich stets neu erfinden und sich doch treu bleiben wie auf dem neuen Album "Jazz ist anders". Erstmals seit über 20 Jahren hat die Band wieder eine Platte in Eigenregie produziert und dabei den perfektionistischen Ballast und Stil-Wirrwarr der Vorgänger-Doppel-CD "Geräusch" vom OP-Tisch gefegt. Die CD in Form einer Pizza, die in einem entsprechenden Fast-Food-Karton geliefert wird, ist zwar etwas angekohlt, und doch lassen es Ironiker Farin, Zyniker Bela und Lifestyler Rod nicht anbrennen: Sehr naturbelassen rocken "Himmelblau", "Breit", "Heulerei" oder "Allein" nach vorne, nur die betont klebrigen Balladen "Nur einen Kuss" und "Niedliches Liebeslied" sowie der Funk-Heuler "Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)" fallen aus dem Rock-Sieb.

Vor allem mit der ersten (Nummer-Eins-)Single "Junge" beweisen sich die Ü40-Ärzte auch 2007 noch glaubwürdig als Berufsjugendliche: "Und wie du wieder aussiehst - Löcher in der Nase und ständig dieser Lärm! Elektrische Gitarren, und immer diese Texte - das will doch keiner hör'n." Nach wie vor gilt: "Als beste Band der Welt, verdammt, da interessieren einen doch Altersfragen nicht!", wie Bela im "Spiegel"-Interview nachlegt. Und "hör'n" wollen die elektrischen Gitarren und famosen Texte ja doch alle wieder, auch die Raubkopierer, die zusammen mit der Musikindustrie in "Tu das nicht" auch noch einen mitkriegen. Die Ärzte stehen über den Dingen, und "Vorbei ist vorbei" ist nur das letzte Lied auf der CD, keine Ansage für die nahe Zukunft.

Übrigens: Am 11. und 12. Dezember kommen die Ärzte live in die Color-Line-Arena, es gibt natürlich nur noch wenige Karten (35 Euro) im Vorverkauf.

 

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