19.09.07

Jubiläum: Hamburger Symphoniker feiern 50-Jähriges Bestehen

Spiel ums Überleben

Karajan und Bernstein setzten sich für das Orchester ein. 1975 wurde es nur gerettet, weil Helmut Schmidt eingriff.

Von Helmut Söring

Hamburg. Am 16. Oktober 1957 traten das Hamburger Kammerorchester und das Hamburger Symphonieorchester erstmals unter ihrem neuen Namen Vereinigte Hamburger Orchester als eigenständiges Ensemble auf. Der 71 Jahre alte Münchner Dirigent Robert Heger leitete das Konzert mit Werken von Haydn, Mozart und Brahms' Erster. "Das war der Brahms, den wir lieben", jubelte Sabine Tomzig, die damalige Musikkritikerin des Abendblatts. Es war die Geburtsstunde der Hamburger Symphoniker.

Solist des denkwürdigen Abends war Ottomar Borwitzky mit Haydns Cellokonzert D-Dur. "Heger war unglaublich zuverlässig und penibel - genau der richtige Mann, um uns junge Musiker aufzubauen", erinnert sich der Cellist. Für ihn war das Konzert Sprungbrett zu einer glanzvollen Laufbahn: Noch im selben Jahr holte ihn Karajan als Solocellist an die Spree.

Auch Thomas Brandis, der drei Jahre als Konzertmeister die Symphoniker führte, machte danach bei den Berlinern Karriere. 21 Jahre lang war er Konzertmeister der Philharmoniker. "Bei den Hamburger Symphonikern erlebte ich die vielleicht schönste, sicher aber härteste Zeit meines Berufslebens", sagte der heute 72 Jahre alte Geiger dem Abendblatt. "Ich hatte 50 Dienste im Monat, meistens verbunden mit endlosen Busfahrten nach Aurich und Delmenhorst, Emden, Bremerhaven oder sonst wohin. Und da ich oft auch noch solistisch tätig war, bedeutete etwa das Beethoven-Konzert nach einem halben Tag Anreise eine ganz schöne Strapaze. Auf jeden Fall aber waren die drei Symphoniker-Jahre die beste Schule für mein späteres Leben."

Ein ganz besonderes Praktikum auch für den unlängst verstorbenen Wilhelm Melcher, der ebenfalls Konzertmeister bei dem Hamburger Orchester war, bevor er nach Heilbronn wechselte und als Primarius das Melos-Quartett gründete.

Von Anbeginn an spielten die Hamburger, die sich 1961 den heutigen Namen zulegten, um ihr Leben. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert. 40 Prozent des Etats müssen die Symphoniker selbst einspielen - der Durchschnitt in der Bundesrepublik liegt bei etwa zehn Prozent.

Heger gab 1961 den Chefdirigenten-Taktstock an Gabor Ötvös ab. Es folgten Wilfried Boettcher 1967, Heribert Beissel 1972, Carlos Kalmar 1987, Miguel Gomez-Martinez 1992 und Andrey Boreyko 2004. Die Namen der Gastsolisten können sich hören lassen: Die Pianistin Martha Argerich spielte mit den Symphonikern wie auch ihre Kollegen Alfred Brendel, Shura Cherkassky, Andor Foldes oder Nelson Freire.

Zu den geigenden Gästen gehörten Christian Ferras, Igor Oistrach, Josef Suk, Christian Tetzlaff und Frank Peter Zimmermann. Und aus der internationalen Cellisten-Garde stehen Gaspar Cassado, Ludwig Hoelscher, Enrico Mainardi, Antonio Meneses und Heinrich Schiff im Gästebuch des Orchesters.

Trotz eines treuen Stammpublikums, erfolgreicher Tourneen und trotz Förderung durch großzügige Sponsoren wie etwa die Hubertus-Wald-Stiftung, die seit 14 Jahren jeweils vier Kinderkonzerte pro Spielzeit ermöglicht, hatten es die Hamburger Symphoniker in ihrer jungen Geschichte alles andere als leicht. Geschäftsführer war der Rechtsanwalt Ernst Marcus, der nicht nur Geburtshalfer des Orchesters war, sondern es auch mehr als einmal - um beim Bild zu bleiben - vor dem plötzlichen Kindstod bewahrte. Lebensgefährlich wurde schließlich ein Senatsbeschluss vom Januar 1975, der die Zuschüsse der Kulturbehörde strich und das Orchester aufforderte, den Spielbetrieb einzustellen und sich aufzulösen.

Hamburger Musikfreunde wehrten sich. Sie sammelten Geld und warben in aller Welt um Unterstützung. Leonard Bernstein, Herbert von Karajan und Wolfgang Sawallisch schrieben solidarisierende Briefe. Als schließlich der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Hamburger Senat bat, den verhängnisvollen Beschluss rückgängig zu machen, war das Orchester Ende März 1976 gerettet. Hammonia korrigierte sich, die Zuschüsse flossen wieder. Inzwischen sind die Symphoniker aus Hamburgs Konzertleben nicht mehr wegzudenken. Mit Andrey Boreyko haben sie einen Chef, der sie zu neuen Qualitäten führte.

  • Jubiläumskonzert: Am Sonntag, 23.9., 19 Uhr, spielen die Symphoniker unter Leitung von Andrey Boreyko in der Laeiszhalle Werke von Schaefer, Beethoven, Haydn, Hilborg und Strawinskys "Sacre". Kartentel.: 01805/447 01 11

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