BERLIN/HAMBURG. Friede Springer ist Frühaufsteherin, das wissen sie im Berliner Hochhaus des Verlags. Bereits frühmorgens betritt sie ihr Büro im 18. Stock mit Blick über die Hauptstadt, dort erledigt sie ihre Arbeit als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer AG, beantwortet die Post, empfängt ihre Besucher. Heute aber wird gefeiert: Friede Springer wird 65 Jahre alt, es soll ein Geburtstagsfest in kleinem Kreis geben.

Die Mehrheitseigentümerin von Europas größtem Zeitungshaus (Hamburger Abendblatt, "Welt", "Bild") gilt als eine der mächtigsten und einflussreichsten Medienfrauen Deutschlands. Sie ist erfolgreiche Netzwerkerin, gehört zur Berliner Gesellschaft und zeigte sich frauensolidarisch mit Angela Merkel. Als die CDU-Politikerin im November 2005 zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt wurde, saß Friede Springer mit ARD-Moderatorin Sabine Christiansen auf der Besuchertribüne des Bundestags und klatschte Beifall.

Einen großen Teil ihrer Zeit widmet Friede Springer ihrer eigenen Stiftung zur Erforschung von Herz- und Kreislauferkrankungen, die sie im August 2004 im Andenken an ihren an einer Herzkrankheit verstorbenen Mann Axel Cäsar Springer gegründet hat, sowie ihren zahlreichen Ehrenämtern und Mitgliedschaften. Friede Springer engagiert sich unter anderem im Verein Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder sowie in der Kindernothilfe und im Verein Innocence in Danger, sie fördert das Israel-Museum in Jerusalem, die Deutsche Staatsoper, die Deutsche Oper und die Komische Oper Berlin, unterstützt das Kunstgewerbemuseum Julius Lessing Gesellschaft und die Kulturstiftung der Länder. Und sie ist Kuratoriumsmitglied des Axel-Springer-Preises für Junge Journalisten.

Bereits 1988 hat das Land Berlin Friede Springer den Verdienstorden verliehen. 1996 kam das große Verdienstkreuz hinzu. Der Zentralrat der Juden zeichnete sie mit dem Leo-Baeck-Preis aus, die Ben-Gurion-Universität verlieh ihr die Ehrendoktorwürde, die Französische Ehrenlegion die Ritterwürde. Zuletzt gab es den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft.

Über eine Zeitungsanzeige war sie im Alter von 23 Jahren als Kinderpflegerin in das Haus von Springer gekommen, nach der Hochzeit im Jahr 1978 wurde die fünfte Springer-Gattin eine unentbehrliche Mitarbeiterin des Verlegers. Als vor zwei Jahren die Journalistin Inge Kloepfer die sehr lesenswerte autorisierte Biografie Friede Springers veröffentlichte, drangen erstmals Einzelheiten aus dem Leben der 1942 auf der Nordseeinsel Föhr als Friede Riewerts geborenen Unternehmerin an die Öffentlichkeit. Sie selbst hat sich einmal in einem Interview als "ein Produkt Axel Springers" bezeichnet.

Nach dem Tod ihres Mannes 1985 begann für Friede Springer ein zweites Leben. Mit 43 Jahren wurde sie Haupterbin und Testamentsvollstreckerin. In den über 20 Jahren seit Springers Tod sei dessen Lebenswerk zu ihrem geworden, schreibt Inge Kloepfer.

Auch wenn sie sich nicht als Verlegerin bezeichnet - gerne wird sie mit dem Satz "Ich verlege höchstens meine Brille" zitiert -, so hat sie doch still, zäh und erfolgreich das Imperium ihres Mannes gegen Intrigen verteidigt und letztlich zusammengehalten. Mithilfe des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner war es ihr gelungen, auch ihren größten Widersacher Leo Kirch auszuschalten und die Mehrheit am Springer-Konzern zu übernehmen. Direkt hält sie fünf Prozent der Aktien der Axel Springer AG, indirekt ist sie über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik mit 45 Prozent der Anteile am zweitgrößten Medienunternehmen Deutschlands beteiligt. Erfolgreich expandierte Axel Springer in den vergangenen Jahren ins Internetgeschäft und ins Ausland, vor allem nach Osteuropa.kaf, dpa, epd