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Kultur & Live

Martin Mosebach

Sommermärchen in der Großstadt

Martin Mosebach ist ein brillanter Romancier, er ist aber nicht immer einfach zu lesen. Der dieses Jahr mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis ausgezeichnete Frankfurter Schriftsteller neigt zu ausschweifendem und gelegentlich langatmigem Erzählstil. Dass der Ironiker Mosebach auch ein Meister der leichten Feder ist, zeigt er in seinem neuen Roman "Der Mond und das Mädchen".

Es ist eigentlich eine Novelle, die Mosebach an einem der verkehrsreichsten und unwirtlichsten Plätze Frankfurts nahe dem Hauptbahnhof angesiedelt hat. Dort hat sich in einem übrig gebliebenen Gründerzeitbau ein frisch vermähltes junges Paar eingenistet, das gerade aus Hamburg nach Frankfurt gezogen ist. In einem sehr heißen Sommer begegnet es einer seltsamen Gruppe von Menschen, dazu gehört der marokkanische Hausmeister Souad. Fast unmerklich beginnt sich über das traute Glück von Hans, der vor einer Karriere als Banker steht, und der aus gutem Haus stammenden Ines ein Schleier zu legen.

Mosebach hat mit viel Esprit die die Sinne raubende Sommerhitze mit der flirrenden Großstadt-Atmosphäre verknüpft. Zum Zentrum des Geschehens in diesen heißen Sommernächten, die die Bewohner im Guteleute-Viertel um den Schlaf bringen, wird der Hinterhof des Hauses. Dort betreibt ein Äthiopier seine ganz private Nachtbar. Mit ins Spiel greifen der im Haus wohnende Kunsthistoriker Wittekind und seine attraktive Frau Britta, eine Schauspielerin, ein. Hans gerät immer mehr in den Bann dieses sommerlichen Treibens - und in der jungen Ehe kriselt es.

Mit seinen Irrungen und Wirrungen bleibt das Geschehen irgendwie unwirklich - als würden Hans und Ines nur einen Traum erleben. Mosebach wollte, wie er selbst sagt, mit dem Buch eine Art moderne Hommage an Shakespeares "Sommernachtstraum" schreiben. Dabei hat sich der im großbürgerlichen Frankfurter Westend lebende Autor ganz offensichtlich vom Frankfurter Multikulti- und Rotlichtviertel am Hauptbahnhof inspirieren lassen. Wie schon Shakespeare verliert er aber nie den spöttisch-liebevollen Blick auf seine Figuren. Es sind vergnügliche Porträts entstanden - mit viel Einfühlungsvermögen und ohne Anspruch auf allzu große Übereinstimmung mit der Realität. Eben ein kleines Sommermärchen.

  • Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen, Hanser, 190 S., 17,90 Euro

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