Theater: Thalia zur besten deutschsprachigen Bühne gewählt
Mit der Bühne am Puls der Zeit
Was ist das Geheimnis des vielfach ausgezeichneten, wirtschaftlich und künstlerisch so erfolgreichen Theaters?
Hamburg. Mitten in die theaterfreie Sommerpause fällt die Nachricht, dass das Hamburger Thalia-Theater zur besten deutschsprachigen Bühne gewählt worden ist. Das hat eine Umfrage der Zeitschrift "Die Deutsche Bühne" unter 50 Kritikern ergeben. Eine tolle Auszeichnung für das von Ulrich Khuon so erfolgreich geleitete Haus, aber für Kenner nicht wirklich eine Überraschung. Denn es gibt im deutschsprachigen Raum, zu dem etwa auch das Wiener Burgtheater zählt, kaum ein Theater, das es mit den Erfolgen am Thalia aufnehmen kann, allenfalls die Münchner Kammerspiele oder das Deutsche Theater Berlin könnten Konkurrenten sein.
Sehr viele Schauspieler, die Rang und Namen haben, waren in den letzten Jahren am Thalia engagiert. Ebenso fast alle Regisseure, die an großen deutschsprachigen Theatern arbeiten. Das war schon unter der Intendanz von Jürgen Flimm so (1985-2000), Ulrich Khuon hat neue, wichtige Akzente hinzugesetzt. Große Verdienste daran trägt auch Geschäftsführer Ludwig von Otting, der die Möglichkeiten des Hauses bis aufs Letzte ausreizt.
Das Thalia-Theater ist wirtschaftlich und künstlerisch seit vielen Jahren Deutschlands erfolgreichste Bühne. Kein anderes Theater spielt so viele Vorstellungen - im vergangenen Jahr waren es 785 -, kein anderes Theater hat so viele Besucher, 295 992 waren es in der letzten Spielzeit, kein anderes Theater spielt so viel Eigenanteil am Etat ein - 27 Prozent gegenüber durchschnittlich 15 Prozent an anderen Häusern -, und kein anderes Theater hat in den vergangenen Jahren so viele herausragende Künstler präsentiert.
Was ist das Geheimnis? Zunächst ist es sicher die Vielfalt des Angebots. Entschiedene Regie-Handschriften, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit jungen und wichtigen Dramatikern sowie das Vertrauen auf die Kraft eines lebendigen und starken Ensembles bilden das Gerüst des Theaters. Natürlich gelingt nicht alles, aber wer eine Karte fürs Thalia kauft, kann tolle Schauspieler, anregende Themen, künstlerische Auseinandersetzungen auf hohem Niveau und einen Abend erwarten, der eines sicherlich nie sein wird: langweilig. Neben seinem überaus vielfältigen Angebot auf der großen Bühne und in der Gaußstraße, bietet das Thalia Jugend- und Altenprojekte, Zusammenarbeit mit Lehrern und Schülern, Projekttage, Gespräche mit Schauspielern, Diskussionsrunden, Workshops, das Festival "autorentheatertage", Veranstaltungen im Nachtasyl und seit 20 Jahren Theaterpädagogik an.
"Glück in Hamburg" hieß im vergangenen Jahr eine Reihe, in der Schauspieler mit Jugendlichen aus Randzonen Hip-Hop-Theater machen konnten oder filmische Improvisationen über einen Swingerklub ausprobiert werden konnten. Eben jene soziale Aufmerksamkeit und die auf "gesellschaftliche Wirklichkeit zielende Dramaturgie" des Theaters waren es, die "Die Deutsche Bühne" als preiswürdig bezeichnete.
Im September wählt die Zeitschrift, "Theater heute" ihr "Theater des Jahres". Mal sehen, wer da gewinnt.




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