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Kultur & Live

ARD/ZDF-Studie: Migranten und Medien

Migranten nutzen vor allem deutsche Sender

Mainz. "Es gibt in Deutschland keine ausgeprägten medialen Parallelgesellschaften." Mit diesem Satz fasste ZDF-Interdant Markus Schächter das Ergebnis einer ARD-ZDF-Studie über das Medienverhalten der Migranten in Deutschland zusammen. Und in der Tat belegte die in Mainz vorgestellte Befragung "Migranten und Medien 2007", zu der 3010 Menschen aus den sechs wichtigsten Zuwanderergruppen interviewt wurden, eher eine sehr vielfältige Medienauswahl aufseiten der in Deutschland lebenden Türken, Spätaussiedler, Polen, Italiener und Griechen sowie der Menschen aus dem Ex-Jugoslawien.

Dies zeigte sich vor allem in der TV-Nutzung. Rund die Hälfte der Befragten nutzte vor allem deutschsprachige Sender, ein Viertel zugleich deutsche und heimatsprachliche Programme und nur 14,4 Prozent ausschließlich heimatliche Sender. Selbst bei der gemeinhin mit dem Wort "Parallelgesellschaft" identifizierten türkischen Gemeinschaft wiesen die Zahlen keine ungewöhnliche Sonderstellung aus. Zwar schauten der Studie zufolge 30 Prozent der Türken vornehmlich türkische Sender. Doch war dieser Anteil bei den Italienern mit 21 Prozent nicht viel niedriger. Bei den anderen vier Gruppierungen lag er mit vier bis acht Prozent deutlich niedriger.

Allerdings haben gerade Türken und Italiener auch Zugriff auf zwei der am besten entwickelten TV-Märkte in Europa. Allein die Türken, so eine ZDF-Medienforscherin, könnten auf 100 in Deutschland empfangbare Programme zugreifen. Zudem gilt der türkische neben dem italienischen Markt als sehr kauffreudig, was teure internationale Produktionen angeht. Ein solch üppiges Angebot können die TV-Sender in Griechenland oder im ehemaligen Jugoslawien nicht anbieten.

Außerdem gab der Blick auf die bevorzugten Programme einen Fingerzeig auf die Nutzung. Unterhaltung, die gerade in Italien und der Türkei eine große Rolle spielen, standen auch bei der Nutzung in Deutschland im Vordergrund. Gerne gesehen werden neben Heimatsendern ProSieben, RTL oder Sat.1. ARD und ZDF punkten mit Informationen.

Aus diesem Grunde wollen ARD und ZDF auch verstärkt Migranten im Programm widerspiegeln. "Aber nicht in Nischenprogrammen oder Integrationskanälen", wie sie fast unbeweglich in die Kamera schauen, selten lächeln, eindringlich sind, ohne laut zu werden, wie Schächter hervorhob, "sondern als Querschnittsaufgabe in allen Programmen". ARD-Kollege Helmut Reitze ergänzte, dass man etwa auch türkische Anwälte oder Ärzte zu Sozial- und Gesundheitsthemen in Talkshows einladen sollte und nicht immer nur zu den typischen Problemthemen. Außerdem wollten ARD und ZDF verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einstellen.

 

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