Serie: Hamburgs Kulturmarketing auf dem Prüfstand - Teil 3: Was Experten kritisieren
"Kunst allein genügt eben nicht"
Kultur wird als Image- und Wirtschaftsfaktor für Metropolen immer wichtiger. Auch in Hamburg setzt in dieser Hinsicht allmählich ein Umdenken ein. Doch es reicht nicht aus, Subventionen als Investitionen zu verstehen - man muss die kulturelle Vielfalt gleichzeitig angemessen vermarkten. Hamburg hat dabei noch einiges aufzuholen. Was ging hier bislang schief, wie wird das Geleistete von außen und von innen beurteilt?
ABENDBLATT: Warum hat Hamburg es überhaupt nötig, die Kultur zu bewerben? Strahlt die nicht von ganz allein?
SABINE HENGESBACH: Das ist eine fatale Fehleinschätzung. Kunst allein, auch wenn sie toll ist, genügt eben nicht unbedingt. Auch in anderen Branchen reicht es nicht, wenn man ein schönes Auto hat oder eine tolle Margarine, man muss das auch erzählen.
ABENDBLATT: Muss man, um ein Publikum von außerhalb zu gewinnen, bei null anfangen?
HENGESBACH: Dass Hamburg auch in Sachen Kultur viel zu bieten hat, ist schlichtweg unzulänglich bekannt. Für Hamburg ist es richtig anstrengend zu vermitteln, dass wir hier auch kulturell einiges auf die Beine stellen können. Diese Glaubwürdigkeit ist in den letzten Jahren mehr und mehr verloren gegangen. Eine Menge kreatives Potenzial ist abgewandert, nach Berlin und sonstwohin. Jetzt muss man diese "Creative Class" mühsam wieder einwerben. Dafür muss man aber auch kulturell etwas aufstocken.
ABENDBLATT: Sie meinen nicht nur die Werbung für Vorhandenes, sondern die Kultur selbst muss besser werden?
HENGESBACH: Ja. Wir haben nichts, was außerhalb der Stadt kulturell mit Hamburg verbunden wird. Städte wie Salzburg haben Festspiele, Weimar hat das Kunstfest, Kassel die documenta, die sind alle für ihre kulturellen Aktivitäten bekannt. Das hat Hamburg einfach nicht. Die "Ostertöne" sind vielversprechend, aber mit dem Budget und der personellen Ausstattung dauert es zehn Jahre, bis sich das über die Grenzen der Stadt profilieren kann.
ABENDBLATT: Was ist mit der Idee der Triennale?
HENGESBACH: Es war eine absolute Enttäuschung, dass da mit großem Schwung etwas angekündigt wurde und Hoffnungen geweckt wurden - und jetzt sind drei Jahre vergangen, und es passiert nichts. In anderen Städten lächelt man darüber, das schmerzt.
ABENDBLATT: Geht denn das, was derzeit durch die geplante Elbphilharmonie passiert, nicht in die richtige Richtung?
HENGESBACH: Ja. Das ist eine Chance und baut einen gewissen Sog auf, aber das muss man eben mit Inhalten füllen. Ich denke, dass langfristig auch die anderen Kulturinstitutionen davon profitieren. Aber man darf die nicht vernachlässigen. Dafür könnte man zum Beispiel den Etat der Kulturbehörde aufstocken. (lacht) Sowieso!
ABENDBLATT: Der Aufschwung ist aber spürbar - man muss ihn nur durchhalten?
HENGESBACH: Man muss richtig investieren, richtig nach vorn gehen. Die anderen Städte schlafen alle nicht. Das Ruhrgebiet wird Kulturhauptstadt 2010, dorthin werden viele Kreative gehen. Aber es kostet Geld und vor allem Energie, die festen Strukturen, die es hier gibt, aufzureißen. Früher wurde das Thema Marketing von Kulturschaffenden ungern in den Mund genommen, und da besteht durchaus noch immer eine Skepsis. Aber wir leben in einer Freizeitgesellschaft, die Angebote konkurrieren miteinander und immer auch mit dem Fernsehen.
ABENDBLATT: Wo sehen Sie Potenzial in Hamburg?
HENGESBACH: Ich plädiere dafür, dass die Kulturinstitutionen sich untereinander stärker vernetzen. Es gibt zu wenig Foren für den Austausch. Dabei gibt es Studien, die besagen, dass Menschen, die gern in eine Ausstellung gehen, auch gern Konzerte besuchen. Das wird zu wenig genutzt.
ABENDBLATT: War es ein Fehler, sich nicht für die Kulturhauptstadt beworben zu haben?
HENGESBACH: Auf jeden Fall. Ich kann es verstehen, dass man nach einer anstrengenden Olympiabewerbung sagt, wir wollen jetzt nicht noch einmal viel Geld und Energie investieren, wir wollen nicht ständig eine neue Bewerbung raushauen. Aber ehrlich gesagt: So ist das Leben.





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