"Das Wunder von Berlin" will die DDR von innen zeigen - Sendetermin 2008.
Berlin. Schlecht sitzender Anzug, scheußliche Krawatte, Hornbrille Seitenscheitel - wer Heino Ferch erkennen will, muss in Roland Suso Richters neuem Film bestimmt zweimal hingucken. Auch Veronica Ferres ist als graue DDR-Maus kaum wiederzuerkennen. Gemeinsam geben die beiden das Spießer-Ehepaar Kaiser. Er ist bei der Stasi, sie mit ihrem Leben zunehmend unzufrieden, und als Sohn Marco (Kostja Ullmann) von der Volkspolizei kassiert wird, weil er mit der Punkband Roter Terror Stücke von den Sex Pistols gespielt hat, fängt das biedere Leben an, aus den Fugen zu gehen.
Das ZDF bereitet sich mit diesem Film auf den 20. Jahrestag der Mauerfalls vor. "Wir wollten", sagt Produzent Nico Hofmann, "das Thema als Erste bearbeiten." ZDF-Redakteurin Heike Hempel widerspricht: "Mit Jahrestagsplanung hat das nichts zu tun."
Wie auch immer, an einem Sonntag im Herbst 2008 soll "Das Wunder von Berlin" (Arbeitstitel) gezeigt werden. Ein schnell erzählter, 100 Minuten langer Ensemblefilm, der den "Wahnsinn" von damals wiederbelebt und "ins Herz trifft", ohne ostalgisch zu sein. Obwohl man entschlossen sei, wie Hempel betont, die untergegangene DDR ausschließlich von innen zu zeigen.
Zentrale Filmfigur ist Marco Kaiser. Ein Junge, der bei den Punks landet, weil er seine graue Umgebung etwas bunter machen will, der gegen den real existierenden Sozialismus aber prinzipiell gar nichts einzuwenden hat. Weshalb es mit der "Resozialisierung" in der NVA sehr gut klappt: Als die Montagsdemonstrationen im Spätsommer '89 um sich greifen, ist Marco bereit, die DDR gegen ihre inneren Feinde zu verteidigen . . .
Das hat sich niemand ausgedacht, sondern das hat einer wirklich erlebt. Tilo Koch. 1994 hat er seine Geschichte in groben Zügen aufgeschrieben, aber erst als er sie dem Produzenten Tom Wommer erzählte, kam die Sache ins Rollen. Zwischen erstem Treatment, Drehbuch und Dreh sei dann nicht einmal ein dreiviertel Jahr vergangen, sagt Wommers Freund Nico Hofmann.
Für ZDF-Verhältnisse ist das rekordverdächtig. Tatsächlich ist es nur so schnell gegangen, weil sich die Mainzer dazu entschlossen hatten, diesen Film alleine zu finanzieren. Also keine Fördermittel zu beantragen. Es soll sich lohnen. Beim ZDF geht man davon aus, dass die Produktion "ein globaler Erfolg" wird, schließlich handele es sich beim Mauerfall um einen "Meilenstein europäischer Geschichte".
Koch sagt rückblickend, dass er sich im November 1989 am Checkpoint Charlie verraten gefühlt habe. "Wasserwerfer sollten kommen, aber die kamen nicht. Die Russen sollten uns zu Hilfe kommen, aber sie kamen nicht." Er selbst habe damals "mit den Kameraden das Chaos an der Grenze verwaltet". Sich jetzt in einem Film wiederzufinden sei seltsam, aber auch aufregend.
Kostja Ullmann und Karoline Herfurth, die im "Wunder von Berlin" Marcos Freundin Anja spielt, waren fünf Jahre alt, als die Berliner Mauer fiel. Gesine Cukrowski, die in einer der hochkarätig besetzten Nebenrollen zu sehen ist - Andre Hennicke und Michael Gwisdek spielen auch mit -, hat am 9. November auf der Mauer getanzt. Veronica Ferres ist in München auf die Straße gerannt, nachdem sie die ersten Bilder im Fernsehen gesehen hatte, Heino Ferch, der erst am 10. November in Berlin sein konnte, hat "unglaubliche Szenen erlebt".
Die kehren jetzt auf dem Bildschirm zurück, und das Beste daran ist, dass jeder Deutsche heute noch genau sagen kann, was er damals gemacht hat, als Günther Schabowski den legendären kleinen Zettel zückte und der Wahnsinn begann.











