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Kultur & Live

Dreharbeiten: Dänisch-deutsche Vergangenheitsbewältigung

Die verdrängte Kollaboration

Ein dänischer Regisseur filmt gegen historische Klischees an - eine Hamburger Produktionsfirma hilft bei der Suche nach der Wahrheit.

Potsdam-Babelsberg. Es scheint eine Tendenz im aktuellen Kino zu sein, sich noch einmal mit der Nazizeit zu beschäftigen - und dabei neue Blickwinkel zu entdecken. In Deutschland haben das "Die Fälscher" und "Sophie Scholl - Die letzten Tage" versucht. Aber auch unsere Nachbarländer betreiben eine Art filmische Vergangenheitsbewältigung. Gerade gestartet ist Paul Verhoevens "Black Book", der den Überlebenskampf einer Sängerin schildert, die sich in Holland einer Widerstandsgruppe anschließt, um zu überleben. Im Studio Babelsberg entsteht zurzeit ein weiterer Film, der in diese Reihe passen könnte: "Flame & Citron", in dem es um zwei dänische Widerstandskämpfer in Kopenhagen geht. Stars der dänisch-deutschen Koproduktion, an der die Hamburger Wüste Film beteiligt ist, sind Mads Mikkelsen ("Casino Royale"), Thure Lindhardt ("Was nützt die Liebe in Gedanken") und Christian Berkel ("Black Book").

Die sogenannte "Berliner Straße" auf dem Studiogelände von Babelsberg sah vorgestern irgendwie anders aus. Das Außenset besteht aus 26 Hausfassaden, verteilt auf eine Fläche von 7000 Quadratmetern. Die Oldtimer, die davor entlangfuhren, trugen dänische Nummernschilder, die Architektur wirkte nordisch, ein Kæbmand bot seine Waren an. Über Berlin-Brandenburg lag ein Hauch von Kopenhagen.

Die dänische Hauptstadt im Jahr 1944 ist Schauplatz von "Flame & Citron". Die gleichnamigen Titelfiguren, gespielt von Thure Lindhardt und Mads Mikkelsen, sind Undercover-Killer. Im Auftrag des Widerstands gegen die deutschen Besatzer ermorden sie dänische Kollaborateure. Als Flame die Order erhält, seine eigene Geliebte zu erschießen, hinterfragt er sein Handeln.

"Wir wollen nahe an den Tatsachen bleiben", erklärt Produzent Lars Bredo Rahbek (Nimbus Film) und erläutert: 1940 überfielen deutsche Truppen Dänemark und Norwegen. Während es in Norwegen heftigen Widerstand gegen die Invasoren gab, entschlossen sich die Dänen zu kapitulieren und mit den Besatzern zusammenzuarbeiten. "Von außen sah Dänemark damals wie ein Alliierter von Deutschland aus." Ab 1943 gab es aber auch dort Widerstandskämpfer.

Lange hätten seine Landsleute in Klischees verharrt. Widerstand gut, Deutsche schlecht, so die bequeme Denkweise. Die will der Film hinterfragen. Drehbuchautor Lars K. Andersen, der mit Regisseur Ole Christian Madsen seit 1999 am Drehbuch gearbeitet hat, hat mit vielen Veteranen gesprochen. "Man trifft unter den Widerstandskämpfern intelligente Leute: Idealisten, aber auch einige Psychopathen", resümiert er. "Die alten Führer sind gestorben, jetzt konnten die jüngeren Fußsoldaten reden", sagt Rahbek. Er glaubt, der Film werde in Dänemark eine Diskussion starten und "die Büchse der Pandora öffnen". Wenn es zu einem differenzierteren Geschichtsbild führte, wäre es den Ärger wert.

"Das ist ein Film über die graue Seele des Krieges", sagt Mads Mikkelsen. "Wenn man erst mal unbewaffnete Leute erschossen hat, ist das Leben nicht mehr dasselbe." Der 41-Jährige ist seit dem Erfolg des Bond-Films auch hier ein Star. Viele ihrer weiblichen Mitarbeiter seien auffällig oft abwesend, wenn er am Set sei, bemerkte Kirsten Niehuus von der Filmförderung Berlin-Brandenburg. Mikkelsen hielt den Ball flach: "Ich bin ein dänischer Schauspieler, habe nur bei einer internationalen Produktion mitgemacht. Solange nichts anderes passiert, bleibe ich zu Hause."

"Es wird ein Film über die Schwierigkeiten, moralisch zu sein in unmoralischen Zeiten", sagt Wüste-Produzent Ralph Schwingel, der von deutscher Seite an der Finanzierung der 6,3 Millionen Euro teuren deutsch-dänischen Koproduktion ebenso beteiligt ist wie die FilmFörderung Hamburg. Im März soll der Film in Dänemark in die Kinos kommen.

 

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