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Kultur & Live

Wechselwirkung von Küche und Kunst

Hamburg. Ihre erste Ausstellung? "Eine Trotzreaktion." Ebba Durstewitz wollte sich nicht von den Dogmen der Kunstszene verunsichern lassen, als sie die Eröffnung ihrer Galerie an der Rothenbaumchaussee plante. Die Premierenschau sei ausschlaggebend für den Erfolg des Geschäfts, orakelten Experten. Ein solcher Start sei ohnehin schwierig, wenn die Betreiberin nicht quasi per Geburt dem Metier angehöre. Zudem dürfe die Position von Galeristin und Künstler nie zusammenfallen. Die 35-Jährige beschloss, diesem "unsichtbaren Regelgefüge" entgegenzuwirken. "Das Dynastische des Galeriensystems" ironisierte sie mit einem stilisierten Adler als Logo und gestaltete für die Vernissage im Januar die 80 Quadratmeter selbst. Die drei Räume verkleidete Durstewitz mit Tapeten, auf denen Prosa-Fetzen zu lesen waren. Konzeptkunst als Kommentar zum Kunstgeschäft: "Da hat jemand ausgestellt, der bis dato nicht als bildender Künstler existierte, somit auch keinen Marktwert hat."

Denn Durstewitz singt, dichtet und musiziert mit ihrem Partner Jakobus Siebels bei der Formation "Ja König Ja", sie schreibt Texte für Anthologien und Kataloge und unterrichtet noch portugiesische Literatur an der Uni - doch zu dem Beruf der Galeristin kam sie eher zufällig. Der Millionär Vijay Sapre wollte leer stehende Zimmer seines Büros nutzen. Da der Mittvierziger selbst Kunst sammelt, lag die Idee auf der Hand. Um seiner Faszination für das Internet treu zu bleiben, gründete der Hamburger die Plattform Kochpiraten.de, eine Art kulinarisches Wikipedia. Im hinteren Bereich seiner Wohnung im ersten Stock werden nun Gastrotipps von Arganöl bis Zampone eingetragen, während vorne die Galerie "Durstewitz Sapre" ihre Gäste empfängt. Die Wechselwirkung von Küche und Kunst ist bei Vernissagen zu erleben. Pappbecher sind tabu. Stattdessen gibt's edle Weine aus schönen Gläsern. Auch inhaltlich soll sich das Spektrum eher in der High- als in der Cheap-Art bewegen - bei stilistisch offenem Konzept.

Die zweite Schau der Galerie, die bis zum 6. Mai läuft, präsentiert die Diplomarbeit der 27-jährigen Tatiana Calasans. Kleidungsstücke hängen - statt auf Puppen oder Bügeln - wie Bilder an der Wand. Den Professoren für Modedesign an der Armgartstraße war diese Inszenierung eine Eins wert. Schwarze Leibchen reflektieren mit ausgefranstem Saum und verwischter Maßkreide den Entstehungsprozess von Mode. Oder Strampler: Ihre Arme und Beine sind zusammengenäht und überlappen sich unförmig - wie eine frühe Verweigerung des Schönheitsdiktats. Auch eine Trotzreaktion.

  • Galerie Durstewitz Sapre: Rothenbaumchaussee 73 , Mo+Fr 14-19 Uhr und nach Vereinbarung; Infos: T. 370 85 22 10, www.durstewitz-sapre.de

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