NDR-Sinfoniker: Dichter deutscher Streicherklang in der Carnegie Hall
Mahler wie im Rausch gespielt
NEW YORK. Triumph für das NDR-Sinfonieorchester am zweiten Konzertabend in der Carnegie Hall. Mit Ligetis Lontano weitete man die Ohren der Zuhörer, reizte aber auch mit den delikat ausgekosteten Klangfarben-Spielen etliche Kampfhuster, die die kostenlosen Hustenbonbons eines Sponsors übersehen haben müssen.
Mendelssohns Violinkonzert danach litt ein wenig unter dem antreibenden Spiel Vadim Repins; der junge russische Geiger musste sich im ersten Satz auch häufiger gegen etwas unsensible Holzbläser-Lautstärken durchsetzen. Das Orchester brauchte eine kleine Eingewöhnungszeit in die gnadenlos transparente Akustik der großen Halle, die jeden Instrumentalisten fast zum Solisten machte. Der Kuschelklang der Hamburger Musikhalle macht den Gesamtklang einheitlicher, aber auch deutlich undifferenzierter.
Repins kraftvolles und unsentimentales Spiel ließ das aber im zweiten Satz vergessen, im dritten flogen ihm für seine filigrane Technik und risikoreiche Virtuosität alle Herzen zu. Nach der Pause Mahlers Erste. Und da spielte Christoph von Dohnanyi alle Trümpfe aus: den satten, warmen Streicherklang, das bestens aufgelegte Blech und hervorragend intonierte Holzbläser.
Im ersten Satz noch etwas auf der Suche nach der Ideallinie im Klang, ordneten sich die NDR-Sinfoniker bald perfekt dem Konzept der maximalen Klangschönheit unter, das Dohnanyi mit teilweise ausnehmend langsamen Tempi und ausgespielten Ritardandi etablierte. Es war ein Schwelgen, ein Auskosten bis an Schmerzgrenzen. Der dritte Satz wurde ein Fest der Klangtransparenz. Der vierte Satz eine weitere grandiose Steigerung, Mahler wie im Rausch gespielt. Standing Ovations, lang anhaltend, ohne gleich nach dem Autoschlüssel zu kramen. Im Publikum zu hören: unglaublich, großes Lob für den dichten deutschen Streicherklang, Diskussionen um Nuancen der Interpretation noch, als auf der Bühne längst abgebaut wurde. Hamburg hat einen guten Klang in New York.













