New York: NDR-Sinfonieorchester begeistert die Amerikaner in der Carnegie Hall
Standing Ovations und Bravo-Rufe
Christoph von Dohnányi bewies mit den Sinfonikern in New York, dass sich Hamburg in der Welt hören lassen kann.
New York. New York zeigte sich für den Auftritt des NDR-Sinfonieorchesters von seiner besten Seite: Strahlend blauer Himmel bestätigte die Vorhersage des Wetterkanals, dass es am Dienstag ein Temperaturhoch von mehr als 20 Grad geben werde, einen "toasty Tuesday". Von frühlingshafter Leichtigkeit ist in der Maestro Suite der Carnegie Hall allerdings wenig zu spüren; die signierten Porträts von Erich Leinsdorff, Leonard Bernstein, Leopold Stokowski, Eurgene Ormandy und John Barbirolli schauen eher streng auf Christoph von Dohnanyi, der kurz vor Beginn der Proben für das Montagskonzert noch einmal die Bedeutung Hamburgs als Kulturstadt unterstreicht, die man - gerade weil Hamburg keine "Show off"-Stadt sei - auch in einer Stadt wie New York herausstreichen müsse. Klar, dass er als Dirigent des Hausorchesters der Elbphilharmonie die internationale Anziehungskraft des neuen Hauses hoch veranschlagt.
Am Abend ist dann zu hören, dass das NDR-Sinfonieorchester gut aufgestellt ist und auch international mithalten kann. Ein Glas Champagner vorweg - denn diese Wirkung hatte Mendelssohns Ruy Blas Ouvertuere auf das Publikum in der zu gut zwei Dritteln gefüllten großen Halle mit ihren vier Rängen. Er ließ zwischen Schlusston und Applaus nicht mal eine Millesekunde verstreichen. Dann Alfred Schnittkes Viertes Violinkonzert - ein eher schwer zugängliches Mitbringsel aus der Hansestadt, das Vadim Repin im kraftvollen Zugriff, aber auch in extremer Zartheit spielte. Hier kamen die BravoRufe deutlich verhaltener.
Dann aber Brahms: Vom ersten Paukenschlag an gelang es Dirigent und Orchester, einen ungeheuren, konsequenten Spannungsbogen aufzubauen, der über die ganze gewaltige sinfonische Architektur nicht seine Kraft verlor.
Atemloses Staunen über den vierten Satz mit seinen vertrackten Tempowechseln und die Dichte und Intensität des musikalischen Gewebes, die von Dohnanyi seinen Musikern entlockte. Standing Ovations, Bravo-Rufe, Getrampel - und für die New Yorker Musikfans die Gewissheit: Die Stadt an der Elbe kann sich hören lassen. In der Pause wurde heftig geblättert in der neuen Broschüre, die der NDR für die neue Heimat seines Orchesters produziert hat: Hochglanz und formidables Design beschwören Hamburgs Ruf als Musikstadt und den des Senders als Musikmäzen und Begründer einer sinfonischen Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg und führen den New Yorkern vor Augen, was auf sie wartet, wenn sie in drei Jahren die Reise nach Hamburg wagen.
Während das Orchester noch probte, war die Gruppe der Hamburger "Kulturbotschafter" fleißig unterwegs. Senatorin Karin von Welck hat etliche Hamburgerinnen und Hamburger eingeladen, damit sie (übrigens auf eigene Kosten) die Augen offenhalten und neue Ideen aus der New Yorker in die Hamburger Kulturszene mitbringen.
So stand der Besuch eines Familienkonzerts (dessen wunderbare Programmhefte Beachtung fanden) ebenso auf dem Programm wie Besuche in der Neuen Galerie, dem Museum of Modern Art oder dem privaten Loft von Robert Wilson.















