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Kultur & Live

Zarah Leander: Die Diva wäre heute 100 Jahre alt geworden

Das "Wunnnder" aus Schweden

Sie selbst beurteilte ihr schauspielerisches Talent als mittelmäßig. Doch die "Kriegserziehungsfilme", die die Sängerin für die Ufa drehte, wurden zu Kassenmagneten.

Berlin. Frühling '43. Zarah Leander wird in die Reichskanzlei bestellt und muss dem Führer vorsingen: "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n . . ."

Es ist ein Witz. "Staatsabträglich und gemein", wie der SS-Sicherheitsdienst befindet. Der weiterhin zu dem Schluss kommt, allgemein werde in der Bevölkerung offenbar vorausgesetzt, "dass einer heute schon jeden Witz erzählen könne, ohne mit energischer Abfuhr, geschweige denn Anzeige bei der Polizei rechnen zu müssen"! Die Leander selbst hat Deutschland gerade verlassen. Sechs Wochen nach der Premiere ihres letzten Ufa-Films "Damals". Sie ist wieder zu Hause. In Schweden. Wo man sie in den Zeitungen "eine furchtbar stattliche germanische Frau" nennt, die knapp zehn Jahre lang "das absolute Weiblichkeitsideal eines fremden Volkes repräsentiert" habe.

Die paar Jahre haben allerdings gereicht, sie unsterblich zu machen. Weniger wegen ihrer schauspielerischen Talente - die sie selbst als mittelmäßig eingestuft hat -, als wegen ihrer umwerfenden Kontraalt-Stimme, mit der sie die Lieder von Ralph Benatzky, Theo Mackeben, Lothar Brühne und Michael Jary zu Welterfolgen machte: "Kann denn Liebe Sünde sein?", "Nur nicht aus Liebe weinen", "Jede Nacht ein neues Glück", "Ich steh' im Regen", "Yes, Sir!", "Der Wind hat mir ein Lied erzählt", "Davon geht die Welt nicht unter . . ."

Heute jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal. Wie bei vielen Diven ihrer Zeit hat das wahre Geburtsjahr lange im Nebel der Geschichte gelegen. Das 1984 erschienene renommierte Reclam-Filmlexikon gibt es noch mit 1902 an, aber irgendwann fand sich der Taufschein, der alle Zweifel beseitigte: Zarah Leander, damals Sara Stine Hedberg, wurde am 15. März 1907 im värmländischen Karlstad geboren.

Sie hat sich selbst Zarah genannt. In einer Zeit, in der man das rothaarige Kind in der eigenen Familie für plump und hässlich hielt. Dass man sie "nach einer Vorfahrin mütterlicherseits" "Zarah, mit ,Z'", genannt hätte, hat sie sich ausgedacht und in ihrer 1973 veröffentlichten Autobiografie verewigt. Den schönen, bühnenwirksamen und zugleich mythologisch umwölkten Nachnamen behielt sie nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann bei: Leander. Darin schwang schon das "nnn" von "Winnnd" und "Wunnnder" mit, das sie später berühmt machen sollte.

Zehn Filme hat sie bei der Ufa gedreht, die den Weggang von Marlene Dietrich und die Weigerung der Garbo, in deutschen Filmen mitzuspielen, unbedingt kompensieren wollte. Starregisseur Carl Froelich empfahl die Leander der Reichsfilmkammer, nachdem er sie im Theater an der Wien in Benatzkys musikalischem Lustspiel "Axel an der Himmelstür" erlebt hatte. Am 5. November 1936 unterschrieb Zarah Leander ihren ersten Exklusivvertrag mit der Ufa. Für die beiden Filme, die sie unter der Regie von Detlef Sierck drehen sollte ("Zu neuen Ufern", "La Habanera"), und für ihre Mitwirkung in Carl Froelichs Drama "Heimat" wurde ihr ein Pauschalhonorar von 200 000 Reichsmark zugesichert. "Die Zahlung erfolgt monatlich nachträglich und zwar jeweils 30% in Reichsmark und 70% in Schweden-Kronen, da die Genannte schwedischer Nationalität ist." (Zum Vergleich: Der Rökk und der Harvey gelang es nie, solche Klauseln auszuhandeln.)

Niemand ist von der Ufa besser bezahlt worden als die Leander. Dank ihrer unvergleichlichen Stimme machte sie die "Kriegserziehungsfilme", wie die Nationalsozialisten das Genre selbst nannten, zu Kassenmagneten. Zum Wichtigsten wurde das 1942 von Rolf Hansen inszenierte Rührstück "Die große Liebe": Aus Afrika abkommandiert, lernt ein Oberleutnant der Luftwaffe (Viktor Staal) die Variete-Sängerin Hanna Holberg (Leander) kennen. Kriegsbedingte Trennungen gefährden die Beziehung, bis Hanna begreift, wohin sie gehört - an die Seite des heldenhaften Mannes. Vorher singt sie allerdings noch ein bisschen. "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" und "Davon geht die Welt nicht unter".

28 Millionen Deutsche haben den Film damals gesehen, die Alliierten haben ihn 1945 sofort verboten. Zarah Leander ist sich bis zu ihrem Ende keiner Mitschuld bewusst gewesen. Sie blieb bei ihrem Standpunkt, den sie in ihren Memoiren bezogen hatte: "Politik geht mich nichts an . . . Wo steht denn geschrieben, dass ausgerechnet Künstler etwas von Politik verstehen müssen?"

Die Leander ist am 23. Juni 1981 gestorben. Ein schöner Zufall will es, dass Jutta Jacobis neue Biografie "Zarah Leander. Das Leben einer Diva" bei Hoffmann und Campe erschienen ist. In dem Verlag, der 1973 Zarah Leanders Autobiografie "Es war so wunderbar!" veröffentlichte.

 

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