"Die Flut" mit irritierenden Subtexten
HAMBURG. Mein Drama hat nicht stattgefunden!": Rund zwanzigmal wird dieser Satz bei Boris Blachers Oper "Die Flut" ins Publikum gebrüllt - und er könnte vom Komponisten selbst stammen. Denn seine Geschichte ist bei der Hochschul-Premiere von Sabine Kuhnerts Inszenierung stellenweise nur schwer wiederzuerkennen. Weil die Regisseurin den Figuren drei Sprechrollen als Alter Ego an die Seite stellt, die die eigentliche Handlung überlagern, verdoppeln und unterbrechen: Mit vermeintlichen Subtexten, hysterischen Lachanfällen oder pseudo-intellektuellem Geschwafel à la: "Minima moralia, maxima culpa. Marx-Mao-Macho." Alles klar? Eben.
Das nervt mitunter gewaltig. Zumal die 1946 vollendete Rundfunkoper so eine Bevormundung überhaupt nicht nötig hat. Sie schildert einen Inselausflug dreier Stadtmenschen mit tragischem Ausgang: Während der Flut ermordet der junge Mann den Bankier und nimmt am Ende das Mädchen mit, das sich eigentlich in einen Fischer verliebt hat.
Blacher kleidet diese Handlung in eine kammermusikalische, schnörkellose Klangsprache, die von den engagierten Interpreten unter Leitung von Christoph Rolfes auf gutem Niveau (herausragend: Nicole Hoff als Mädchen) musiziert wird. Und auch Kuhnert zeigt, dass sie ihr Handwerk eigentlich vorzüglich beherrscht: Die Solisten sind ebenso klug geführt wie der sorgfältig choreografierte Mendelssohn-Chor, der in meeresblaugrauer Färbung oft die Rolle des Wassers übernimmt. Doch leider traut sie weder sich noch dem Stück oder den Zuschauern so richtig über den Weg - und bläht den dramaturgischen Bogen auf, bis er in seine Einzelteile zerbröselt.




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