Weltzukunftsrat: Plakate von Schülern, die im Rathaus und in der Springer-Passage ausgestellt werden
Eine Stimme für künftige Generationen
In einem Workshop entwickeln Gymnasiasten und Hauptschüler gemeinsam Plakate, die den Zustand der Erde bewusst machen sollen.
Hamburg. "Wenn ihr einen Wunsch frei hättet - was soll sich dann auf der Welt ändern?" Nur jeweils einen Wunsch gibt Niklas Frings-Rupp den Schülern, die sich in den freundlichen Räumen der Produktionsschule-Altona (PSA) zu einem Plakatworkshop eingefunden haben. Zuvor hat der Werbeprofi und Leiter der Miami Ad School in Hamburg die jungen Menschen mit einem Diavortrag über preisgekrönte Plakate amüsiert. Jetzt sollen die Schüler eines Leistungskurses Kunst vom Christianeum gemeinsam mit Jugendlichen, die in der PSA ihren Hauptschulabschluss nachholen, selbst ein Plakat gestalten.
Das übergreifende Thema ist die durch Klimawandel, Umweltverschmutzung, wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich oder durch Ressourcenverbrauch bedrohte Zukunft. Drängende Probleme, denen sich nun der World Future Council (WFC) aktiv annehmen will. Anlässlich der Konstituierung des Weltzukunftsrates Anfang Mai in Hamburg haben dessen Mitarbeiter den Plakatworkshop in Altona initiiert. Erdacht weniger zur Produktion offizieller Werbemittel als dafür, die Wünsche und Ansichten von Jugendlichen der Öffentlichkeit kundzutun. Mit einer Ausstellung im Rathaus und anschließend in der Axel-Springer-Passage sollen die Plakate die Gründungszeremonie des WFC begleiten. "Wir wollen eine neue, starke Stimme für zukünftige Generationen sein", sagt Alexandra Wandel, Entwicklungsdirektorin des World Future Council. Sie hat den Schülern die ehrgeizigen Projekte dieses unabhängigen und global vernetzten Forums vorgestellt. Allein 24 Expertenkommissionen sollen sich mit den größten Problemen der Gegenwart beschäftigen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Ob gesunde Nahrungsmittel, gesundes Klima, Arbeit, fairer Handel, Abrüstung oder Menschenrechte - nicht für das, was politisch möglich, sondern für das, was notwendig ist, tritt der WFC ein.
Und dass man bei der Lösung vieler Probleme, wie der Überwindung von Ungleichheit, ganz leicht direkt vor Ort beginnen kann, macht der Workshop in der Produktionsschule-Altona deutlich. Denn hier kommen zwei Gruppen miteinander in Kontakt, die sich sonst wohl kaum so intensiv begegnen würden. Kinder eines gut situierten Bildungsbürgertums und Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen. Eingeteilt in Zweierteams widmen sie sich einer Aufgabe, die beide angeht. Und deren Umsetzung - zumindest am Anfang - auch beiden die gleichen Schwierigkeiten bereitet. Denn bevor sich die 17- bis 20-Jährigen über die Farben, die bunten Papiere, Lineale und Klebebuchstaben in den beiden Arbeitsräumen hermachen dürfen, sollen sie eine kurzen, griffigen Satz für ihr Anliegen formulieren.
"Mensch, ist das schwer", stöhnt Jutte Christiansen, die sich gemeinsam mit Gloria Grousse zum Brainstorming an einen der mit Folie bespannten Arbeitstische gesetzt hat. Gloria möchte, dass alle Arbeit haben und Geld nicht mehr so wichtig ist, Jutte möchte eine saubere Umwelt. Und am liebsten würden sie beides in einem Bild unterbringen. "Die Welt lebt - lebt für die Welt" steht schon auf einem Blatt Papier, dazu eine herzförmig gezeichnete Erde. Aber so richtig zufrieden sind die beiden noch nicht. "Wie läuft's bei euch", ruft Jutte ihrer Freundin ein paar Tische weiter zu. "Es stagniert", sagt die und lacht. Aber nach einer Weile, und nachdem Niklas Frings-Rupp und sein Kollege, der Designer Sergej Siderov, die Ideenfindung in Wort und Tat unterstützt haben, läuft es besser.
Die Jugendlichen hantieren mit großen Papierbögen. Eine Landkarte wir herbeigeschafft und fotokopiert. Sergej scribbelt flink und sicher und zeigt, wie sich die Vorstellungen im besten Sinne plakativ ins Bild setzen lassen. Die jungen Kreativen sind jetzt ganz bei der Sache und bald nehmen erste Plakate Gestalt an. Da ist der Bauch einer schwangeren Frau, geformt aus Kontinenten mit einem schwarzen und einem weißen Kind darin. "Wir haben alle die gleiche Mutter Erde" hat Jakob Becker dazu getextet. Eine dreiköpfige Gruppe - denn so ganz bleibt es bei der ursprünglichen Einteilung nicht - fragt: "Kalte Füße?" und zeigt dazu einen Pinguin im Kühlschrank. Im anderen Raum beherrschen drei Jungs zumindest akustisch mit "He, Alter" und "Klar, Mann" das Geschehen. Aber auch an diesem Tisch wird fleißig geschnippelt und gezeichnet. Kalle Tudyka katapultiert Autos auf den Mond, und Alexander Carstens entwickelt ein Yin und Yang Zeichen als Symbol für Gleichgewicht auf der Welt.
Am Ende des Tages haben viele komplexe Gedanken Einlass in klare Formen und leuchtende Farben gefunden. Ganz fertig sind die meisten Plakate noch nicht, aber das Ergebnis ist beeindruckend. "Es sind viele gute Sachen dabei", freut sich Niklas Frings-Rupp. Und die Schüler sind einhellig der Meinung: "Es hat Spaß gemacht."



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




