Kommentar
Matthias Gretzschel
Keine Angst vorm schwarzen Kubus
Weder brennende Deutschlandfahnen noch islamistische Protestaktionen sind in Hamburg zu befürchten. Der in seiner Form an die Kaaba in Mekka erinnernde Riesen-Kubus, den der Künstler Gregor Schneider seit Montag zwischen Alter Kunsthalle und Galerie der Gegenwart erbauen lässt, wird keinen Skandal auslösen. Die in Venedig und in Berlin grassierende Kubophobie, die die Verantwortlichen in beiden Städten dazu gebracht hat, Schneiders zunächst dort geplantes Kunstprojekt jeweils in letzter Minute zu unterbinden, ist gegenstandslos. Sie beweist vor allem zweierlei: irrationale Angst und beschämende Unkenntnis.
Der Grund für die multikulturelle Harmonie, die dem von Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner initiierten Projekt jetzt in Hamburg entgegengebracht wird, ist leicht zu erklären: Mit seinem "Cube Hamburg 2007" bewegt sich Schneider innerhalb dessen, was nach islamischer Auffassung unbedenklich ist: Die bildliche Darstellung des Propheten ist verboten, die Nachbildung des höchsten islamischen Heiligtums dagegen nicht. Warum also sollten sich Hamburgs Muslime von Schneiders Kubus provoziert fühlen?


