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Kultur & Live

Lesezirkel für die jungen Hamburger

Hamburg. Es geht um Monster, die beleidigt sind, wenn sie mit Kätzchen angesprochen werden, und es geht um die Frage: Sind diese Monster unheimlich? Stella (9) findet sie lustig, und Lisa (9) sagt: "Wir wissen ja alle, dass es Monster gar nicht gibt und dass sie nur ausgedacht sind." Im Fernsehen sei das anders: "Die sehen immer echt aus, das ist gruselig", sagt Lisa. Aber hier geht es um ein Buch. Lisa, Stella und die übrigen sechs Mädels sind kleine Literaten. Einmal die Woche treffen sie sich zu einem der ersten Lesezirkel für Kinder in Hamburg.

Hier zählt der Spaß

Ihre Jacken liegen auf dem Fußboden, Ranzen, Rucksack, Schal und Mütze ebenfalls. Emma, Zelda, Stella (alle neun Jahre alt) und die anderen haben es sich auf den großen Kissen gemütlich gemacht, greifen zu Schokokeksen und Kräutertee. Literaturzeit im Bücherladen "Fuchs und Fabel" im Eppendorfer Weg 79. Draußen donnert der Verkehr vorbei. Ein Passant blickt neugierig durch die Scheibe. Die Kleinen lassen sich davon überhaupt nicht irritieren. Seit Oktober lesen sie das Buch "Die fabelhaften Monsterakten der furchtlosen Minerva McFearless" von Ahmet Zappa, Sohn der kalifornischen Musikerlegende, und das ist viel fesselnder.

Heute knöpfen sie sich Hauptfigur Minerva vor. "Die hört sich gar nicht an wie ein normales Mädchen", findet Stella. "Die schmeißt ihren Bruder einfach die Treppe runter." Stella hat auch einen Bruder, "aber ich schmeiße den nicht die Treppe runter." Und dann schweifen die Mädchen ab. Paula (9) fällt ein: "Mein Cousin hat meine Cousine mal mit dem Kopf ins Klo gesteckt." Und Stellas Bruder hat das mit ihr selbst auch schon mal gemacht.

Die Idee zum Literaturzirkel für die Kleinen hatte Simone Wiebking (37), Inhaberin von "Fuchs und Fabel". Montags treffen sich die Acht- bis Zehnjährigen, mittwochs die jüngeren Kinder. "Es geht nicht nur ums Lesen, sondern darum, zu abstrahieren und zu diskutieren." Einen strengen pädagogischen Anspruch hat sie dabei nicht. Was zählt, ist der Spaß. Und den haben Ronja (9) und ihre Literaturfreunde: "Es gibt so viel zu erzählen und es ist so spannend, was die anderen darüber denken."

Dann ist Paula dran mit Vorlesen. Gar nicht einfach, wenn so schwierige Wörter wie "tragischerweise" und "Ringelpietz" vorkommen. Für Paula ist Lesen Entspannung. "Wenn ich durchgedreht bin und dann lese, komme ich runter von 100 auf null", sagt sie. Und Louisa (9) liest am liebsten Tierbücher. "Ich tauche dann ein in diese Welt. Das ist, als wenn ich das selbst erlebe." Eine Stunde später sind die Kekse längst

verputzt, der Tee getrunken. Über Bücher zu diskutieren macht zufrieden - und hungrig.

\* Infos:

Lesezirkel im Bücherladen "Fuchs und Fabel", Eppendorfer Weg 79, Tel. 40172151, montags 17-18 Uhr Acht- bis Zehnjährige, dienstags 16.30-17 Uhr Dreijährige, mittwochs 17-18 Uhr Vier- bis Fünfjährige.

 

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