Geduldsprobe im Hamburger Sprechwerk
HAMBURG. Theater der Abwesenheit - das war es, was der Zuschauer von "Reconstructing Fräulein Julie von August Strindberg" sah. Abwesend waren über lange Minuten der zweieinhalbstündigen Aufführung im Sprechwerk Text, Spiel und Sinn.
Dabei klingt das theoretische Konzept der Produktion sehr verlockend: Die Grundsituation von Strindbergs "Fräulein Julie" - kühler Mann und leidenschaftliche Frau treffen sich in der Mittsommernacht - ist auch die Basis der Interaktion zwischen den Schauspielern Sonchai Körner und Yves Hanke unter der Regie von Sven Mundt. Schauspieler und Regisseur wollen sich in unregelmäßigen Abständen treffen, um die Begegnung von Julie und dem Diener Jean zu rekonstruieren. Die Aufführungen sind Zwischenergebnisse. Vordergründig seien dabei die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, an Lust, Euphorie, Ernüchterung und Verlust. Leider war das in den schmachtenden Blicken Körners, in unsicheren, sehr leise gesprochenen Worten und in den gleichgültigen Antworten Hankes nicht zu finden. Und wenn er sie 20 Minuten lang zur Hure schminkt, ist dies zu platt in der Aussage, als dass es die Verschwendung von Zeit und Nerven der Zuschauer gerechtfertigt hätte. So blieb am Ende auch der Applaus aus.



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