PARIS, JE T'AIME: EIN FILMISCHES MOSAIK ÜBER EINE BESONDERE STADT
Liebe in kleinen Häppchen
21 Regisseure zeigen in diesem Episodenfilm ihre ganz persönliche Sicht der romantischen Metropole. Alle haben das gleiche Thema: die Liebe.
Paris - die Stadt der Liebe, des Savoir-vivre, des Laisser-faire. Wohl keine andere Stadt ist so sehr mit Mythen belastet, so sehr Projektionsfläche unbestimmter Sehnsüchte, die sich in Cafes und Bistros erfüllen könnten, stattdessen aber von großer Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben zeugen. Das Kino hat für diese Sehnsüchte immer Bilder gefunden. Ungezählt die Geschichten unkomplizierter Roman- zen in den Straßen und an den Brücken von Paris.
Daran muss sich der Fernseh-Regisseur Tristan Carne erinnert haben, als er eines Tages durch die Metropole flanierte und ihm die Idee zu diesem Episodenfilm kam. Er sprach mit dem Produzenten Emmanuel Benbihy, und dann ging alles ganz schnell.
Universum der Stimmungen Benbihy rief, und alle kamen: von Gus van Sant bis zu den Coen-Brüdern, von Isabel Coixet bis Christopher Doyle, von Wes Craven bis Tom Tykwer. 22 Regisseure. Dazu die vertrauten Gesichter zahlreicher Schauspieler: Juliette Binoche, Fanny Ardant, Natalie Portman, Nick Nolte, Steve Buscemi, Bob Hoskins, Gena Rowlands, Willem Dafoe oder Marianne Faithfull.
Herausgekommen ist ein charmantes Kaleidoskop von 18 Kurzfilmen, die jeweils in einem anderen Arondissement spielen. 18 Liebeserklärungen an eine Stadt, an ein Universum der Stimmungen zwischen Lebensfreude und Melancholie, Fantasie und Spiel, Komik und Tragik. Alles scheint möglich: eine Berührung. Ein Kuss. Ein Abenteuer. Eine Liebschaft vielleicht.
Die Vignetten sind höchst unterschiedlich. Das ist bei so vielen Regisseuren nicht anders zu erwarten. Vielleicht verwischt bei mancher Episode die Erinnerung - zu groß ist der Sturm der Eindrücke.
Vorurteile ins Gegenteil verkehrt Einige Geschichten lassen einen lange nach dem Kinobesuch nicht los. Wie "Montmartre", der Eröffnungsfilm. Ein schlecht gelaunter Autofahrer (Bruno Podalydès, der auch Regie führte) findet keinen Parkplatz. Das lässt ihm Zeit, sein Pech bei Frauen zu beklagen - bis eine mysteriöse Schöne (Florence Muller) neben ihm in Ohnmacht fällt. In "Quais de Seine" (Regie: Gurinder Chadha) verguckt sich ein Schüler (Cyril Descours) in ein muslimisches Mädchen (Leila Bekhti). Bewundernswert, mit welcher Leichtigkeit Vorurteile einfach ins Gegenteil verkehrt werden.
Bei Ethan und Joel Coen geht es naturgemäß komisch zu. In "Tuileries" muss Steve Buscemi als amerikanischer Tourist erfahren, dass man einer schönen Pariserin besser nicht zu lange in die Augen schaut, wenn sie in männlicher Begleitung ist. Gleich mehrere Episoden locken den Zuschauer auf die falsche Fährte und halten Überraschungen bereit. Das alles in sechs, sieben Minuten, gedreht mit geringem Budget.
Die meisten der Regisseure leben nicht in Paris. Sie haben die Metropole mit einer Neugier entdeckt, wie sie nur Besucher aufbringen. Eine Neugier, die sich auf den Zuschauer überträgt. "Paris, je t'aime" macht Lust, mal wieder an die Seine zu fahren. Und sich zu verlieben.




Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




