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Kultur & Live

"Befront": Wirtschaftsmagazin über Deutschland

Hamburg schreibt für China

Das Magazin, das in China auf wachsendes Interesse stößt, kommt von der Elbe - Auflage: 20 000.

Hamburg. Das führende chinesische Wirtschaftsmagazin über Deutschland kommt aus Hamburg. Es heißt "Befront" und seine Redaktion sitzt in Hohenfelde in einem Hinterhof am Mühlendamm. Die zwei leitenden Redakteurinnen dort sind waschechte Chinesinnen: Jun Jin, 38 Jahre und Wang Jicheng, 52 Jahre.

Das Monatsmagazin, das ursprünglich unter dem Namen "Business in Hamburg" gestartet war erscheint im TRCT Medien Verlag von Torge Thiess. Der 41-jährige ehemalige Bertelsmann-Manager betreibt ein gut gehendes Unternehmen für Kundenzeitschriften, Corporate Publishing heißt so etwas heute.

Der Erfolg seines im Rahmen der Hamburgischen China-Kooperation gestarteten Magazins hat sich schnell über die Stadtgrenzen hinaus mitgeteilt. Chinesische Kaufleute und Unternehmen sind anscheinend sehr daran interessiert, Informationen über wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu bekommen. Aber auch Details über den deutschen Alltag sind in dem jeweils rund 40 Seiten starken Magazin enthalten. Informationen, die in China selbst nur sehr schwer zu bekommen sind, und die es in Deutschland in chinesischer Sprache eigentlich auch nicht gibt.

Das sind etwa Artikel über so lapidar erscheinende Dinge wie Besuch beim deutschen Arzt oder wie man den Führerschein macht. Sie finden mindestens so großes Interesse wie ein Interview mit Altkanzler Helmut Schmidt oder einer Auflistung von interessanten Förderprogrammen.

Mittlerweile werden die 20 000 Exemplare des Monatsmagazins nicht mehr nur in Deutschland im Abo oder in der Auslage bei Wirtschaftsinstitutionen oder auch Chinarestaurants vertrieben, sondern finden auch immer mehr Abnehmer direkt in China - chinesische Unternehmen, die in den deutschen Markt eintreten wollen. So entstand eine wöchentliche Radiosendung namens "Germany calling", die auch als Internetangebot und mit einem Podcast Audio-Informationen gibt. Fünf chinesische Radiostationen mit einer technischen Gesamtreichweite von 100 Millionen Menschen strahlen die zuvor auf politische Verträglichkeit überprüften Sendungen am Wochenende aus. Die an jedem Donnerstag in Hamburg fertiggestellten Programme enthalten wie das Magazin allgemeine und spezielle Informationen, klammern aber die heiklen Themen Religion und Politik komplett aus.

"Befront" ist auch eine Kooperation mit der in Schanghai erscheinenden Tageszeitung "Wen Hui Bao" eingegangen. Einmal im Monat werden Artikel aus "Befront" in einer Auflage von mehr als 500 000 Exemplaren dort nachgedruckt. Weitere chinesische Großstädte sind an einer Kooperation interessiert.

Verlagschef Torge Thies über den zunächst merkwürdig erscheinenden Namen "Befront": "Auf englisch signalisiert er, ganz vorne zu sein, und auf chinesisch bedeutet er so etwas wie Wirtschaftspionier."

Thies steht in Korrespondenz mit anderen deutschen Wirtschaftsförderungsinstitutionen, kann sich aber auch vorstellen, das Magazin auf eine europäische Basis zu stellen. Denn natürlich sind auch Frankreich, Italien oder England daran interessiert, mit chinesischen Kaufleuten und Unternehmen ins Geschäft zu kommen beziehungsweise für diese eine interessante Plattform bieten zu können.

 

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