13.01.07

Johanna Wokalek: Doppelrolle im "Bella Block"-Krimi

Das zweite Gesicht

Die 28 Jahre alte Burg-Schauspielerin schlüpft fürs ZDF in die Rolle eines Zwillings-Paares.

Krimi: Bella Block - Blackout. Sa, 20.15 Uhr ZDF

2007 geht die erfolgreiche Krimiserie "Bella Block" in ihr 15. Jahr. Über sechs Millionen Zuschauer sahen die letzte Folge. Die neue Folge "Blackout" wurde bereits im Herbst 2006 beim Filmfest Hamburg mit großem Applaus bedacht. Unter der Regie von Rainer Kaufmann brilliert die Schauspielerin Johanna Wokalek: Sie verkörpert in einer Doppelrolle die Zwillinge Saskia und Tanja. Die 28-jährige Burg-Schauspielerin, die 2006 den Grimme-Preis erhielt, ist dem Publikum vor allem als Hauptdarstellerin in Til Schweigers "Barfuss" bekannt.

ABENDBLATT: Im Fernsehen sieht man Sie recht selten. Worin lag für Sie der Reiz bei "Bella Block" und einer Doppelrolle?

JOHANNA WOKALEK: Ich finde das Thema der Zwillinge sehr faszinierend. Als Schauspielerin war es eine Herausforderung, dass man sich auf eine gewisse Art teilen muss. Es hat ja viel mit meinem Beruf zu tun, dass ich in verschiedene Rollen schlüpfe, aber in diesem Fall in eine Doppelrolle, das fand ich spannend. Die beiden denken unterschiedlich, sind sich aber sehr nahe.

ABENDBLATT: Die Duplizität, die Sie bei einer gewöhnlichen Rolle zwischen Ihnen und der Figur erbringen, wird also in diesem Fall verdreifacht.

WOKALEK: Ja, und das ist als Erlebnis ganz aufregend!

ABENDBLATT: Wie würden Sie die beiden Schwestern charakterisieren?

WOKALEK: Die eine versucht, ihren Weg ganz geradlinig zu gehen, mit Studium und Beruf. Die andere ist sehr ungeordnet, chaotisch und bekommt keinen Boden unter den Füßen.

ABENDBLATT: Hatte eine der beiden mehr Sympathie von Ihnen?

WOKALEK: Ich mochte beide gleich gern. Und ich hatte für beide absolutes Verständnis.

ABENDBLATT: War es schwierig, im emotionalen Register der beiden hin- und herzuspringen?

WOKALEK: Der Vorteil war, dass Regisseur Rainer Kaufmann und ich uns vom Dreiteiler "Die Kirschenkönigin" so gut kannten. Auch Hannelore Hoger kannte ich, von den Theaterproben von Peter Zadeks "Totentanz", dabei haben wir sehr schnell gemerkt, dass wir uns mögen. Das half bei dieser schwierigen Aufgabe. Je mehr Vertrauen man hat und je besser man sich kennt, umso mutiger ist man in seiner Arbeit - ich jedenfalls. Letztlich war es so, dass ich die Zeit in der Maske zum Umdenken und Umschalten in die andere genutzt habe: Während der äußeren Veränderung hat sich dann auch die innere Veränderung ergeben.

ABENDBLATT: Oft sind beide Schwestern im Bild zu sehen, wie wurde das technisch gelöst?

WOKALEK: Das war auch ein interessanter Teil der Auseinandersetzung mit der Figur. Wir haben kaum mit einem Double gearbeitet. Wenn wir beiden Zwillinge nebeneinander stehen sollten, stand neben mir erst einmal ein Stativ, das ich anspielte. Dort war in Augenhöhe ein Fixpunkt angebracht, einen Klebstreifen den brauchte ich, so wusste ich, wo die Augen sind. So habe ich erst die eine gespielt, und der Tonmann hat mich aufgenommen. Dann bin ich auf die andere Seite gegangen, das Stativ kam dahin, wo ich zuvor stand, ich hatte einen Knopf im Ohr und habe sozusagen mir selbst geantwortet. Dabei haben wir vor einer "Green Screen" gearbeitet und dann beide Einstellungen montiert.

ABENDBLATT: Es gibt eine Szene, in der Sie Ihren Zwilling identifizieren also auf sich selbst als Tote schauen. War dieses Erlebnis nicht sehr extrem?

WOKALEK: (lacht) Wenn ich jetzt verrate, dass ich auf eine Wärmflasche geschaut habe, dann ist wohl dieser Moment ziemlich entzaubert! Ich bin ja Schauspielerin, um auch auf eine Wärmflasche gucken zu können, ohne dass man das bemerkt. Aber die Vorstellung, sich selbst tot zu sehen, ist unheimlich.

ABENDBLATT: Wie gefällt Ihnen die Krimireihe "Bella Block"?

WOKALEK: Ich mag Hannelore Hoger sehr gerne, wie sie diese Figur spielt in ihrer Sperrigkeit und Ungefälligkeit. Ich finde diesen Charakter einfach schön. Außerdem bietet das Fernsehen hier einen Raum, wo man auch noch probieren kann vom Bild, von der Kamera, vom Buch. Letztlich fand ich die Geschichte so interessant, weil sich eine Frage wie ein roter Faden durch den Krimi und jede Figur durchzieht: Wer bin ich? Jeder fragt sich hier: Was weiß ich von mir, was nicht? Die Zwillinge sind nur eine Doppelung dieser Frage. Zwei fast gleich aussehende Menschen stellen sich dieser Frage quasi im Spiegelbild.

ABENDBLATT: Theater, TV und Film wie gewichten Sie diese Medien für Ihre Arbeit?

WOKALEK: Das Theater ist mir ganz wichtig. Ich finde es faszinierend, die Momente des Abends mit den Zuschauern zu teilen, alles gleichzeitig mit ihnen zu erleben. Außerdem mag ich die Kontinuität des Theaters und die Zusammenarbeit mit einem Ensemble, das ich gut kenne. Aber den Film finde ich auf andere Art spannend, die Arbeit mit der Kamera weil die Kamera alles mitbekommt, auch die eigenen Gefühle und Gedanken. Da ist man als Schauspieler ganz anders sichtbar, als sei die Kamera eine Membran.

ABENDBLATT: Ihr erstes Engagement war am Wiener Burgtheater, dann waren Sie zwei Jahre am Schauspiel Bonn und sind seit 2000 wieder Ensemblemitglied an der Burg. Macht zehn Jahre Berufserfahrung und das mit 28 Jahren. Wie haben Sie das geschafft?

WOKALEK: Meine Ausbildung habe ich am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert. Im dritten Jahr habe ich schon "Aimee und Jaguar" mit Max Färberböck gedreht. Das vierte Jahr war ich nicht mehr an der Schule, sondern schon im ersten Engagement. Insofern ging das bei mir alles etwas schneller.

ABENDBLATT: Was steht für Sie 2007 noch auf dem Plan?

WOKALEK: Fürs Kino drehe ich im Frühjahr den Film "Nordwand" mit Benno Fürmann. Im Theater spiele ich in Wien noch Neil LaButes "Some Girls". Ab Ende Januar werde ich dann mit Chansons von Serge Gainsbourg wieder auf der Bühne stehen. Das ist kein klassischer Gesangsabend, sondern etwas, was genau zu mir passt. Ich mache das zusammen mit Roland Jaeger, der die Texte ins Deutsche übersetzt hat, die Chansons sind teilweise für uns beide neu arrangiert worden. Wir haben diesen Abend mit viel Zeit entstehen lassen, und ich freue mich sehr darauf.

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