Immer mehr Sender bringen Videoaufnahmen von Laien ins Fernsehen und ins Internet.

Köln. Bei RTL heißen sie "Handyreporter", bei N24 "Augenzeugen" und bei CNN werden sie "i-Reporter" genannt. Mal sollen sie ohne Entlohnung alle Rechte abtreten, mal winken mehrere hundert Euro für einen Schnappschuss oder 30-Sekundenfilm mit der Handykamera. Es gibt immer mehr Fernsehzuschauer, die ihren Platz auf dem heimischen Sofa aufgeben und draußen in der Welt alles filmen, was ihnen vor die Kameralinse gerät.

Neben Printmedien rufen nun auch TV-Sender gezielt dazu auf, dass aus Zuschauern Reporter werden sollen.Der Trend hat mehrere Ursachen. Erstens: Die stark gesunkenen Preise für die Technik ermöglichen Normalverbrauchern mit einer Digitalkamera oder gar mit dem Handy, das sie ohnehin ständig bei sich haben, Aufnahmen in einer Qualität zu liefern, für die man noch vor zehn Jahren ein ganzes Kamerateam mit Profiausrüstung benötigte. Und zweitens: In puncto Schnelligkeit sind die Bürger den professionellen Journalisten haushoch überlegen. Beim Tsunami vor zwei Jahren in Südostasien, beim Anschlag auf die Londoner U-Bahn und beim Hurrikan Katrina im Sommer 2005 wie schon bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und beim Concorde-Absturz im Sommer 2000 lieferten Bürger oder Urlauber jene ersten Bilder, die es auf die Titelseiten und in die TV-Nachrichten schafften und sich ins Gedächtnis einbrannten.

Schon gibt es warnende Stimmen, dass vor allem Hobby-Paparazzi dazu angestachelt würden, Prominente in "peinlichen Situationen abzuschießen" oder die Handykamera zu zücken anstatt bei einem Unfall erste Hilfe zu leisten. Dagegen spricht zum Beispiel die Praxis bei Center TV: Der Kölner Lokal-TV-Sender zahlt keine Honorare, sendet nur Bürgerbilder mit Lokalkolorit wie aus dem Karneval. Journalistenverbände hingegen glauben, die Sender benutzen billige Bürgerbilder, um ihre Kosten zulasten der professionellen Reporter und Kameraleute zu senken. "Alle eingeschickten Beiträge werden von Redakteuren gesichtet, das ist ein Riesenaufwand", betont die Berliner CNN-Sprecherin Amelie Heinrichsdorff.

RTL startete im Oktober die "Handy Zuschauernews" und sieht das Projekt als Investition in die Zukunft - bei nur 29 Cent Gebühren, die Handyfilmer für jede versandte MMS bezahlen, sind die "Zuschauernews" ein Zuschussgeschäft für den Sender. In "RTL aktuell" stellte Chefredakteur Peter Kloeppel das Projekt vor vier Wochen erstmals vor. Seitdem schickten Zuschauer rund 1000 Beiträge, auch viel Unbrauchbares und geklaute Ausschnitte aus Hollywoodfilmen. Dennoch glaubt RTL-Nachrichtenredakteur Philipp Trunk: "Bei weitersteigender Videokameraqualität werden wir in zwei bis drei Jahren sicher für jede Nachrichtensendung Zuschauermaterial verwenden können." Journalistische Standards würden eingehalten, betont Trunk.