Menschenporträts: Zum Geburtstag des Publizisten Troller
"Mich unterscheidet eine gewisse Unverfrorenheit den Leuten gegenüber"
PARIS. Sein kurzer und knackiger, manchmal auch spöttischer Stil hat das deutsche Fernsehen mitgeprägt. Sein "human touch" ist legendär, er erzählte große Geschichten am Beispiel von Künstlern und unbekannten Zeitgenossen. Er hat dieses "Gefühlige" in die deutschen Reportagen eingeführt. Gestern feierte Georg Stefan Troller seinen 85. Geburtstag.
Bekannt wurde der Journalist mit seinem ARD-Magazin "Pariser Journal" (1961-1971), das prominente Gäste und Viertel aus der Seinemetropole vorstellte. Anschließend reiste er für seine ZDF-Sendereihe "Personenbeschreibungen" durch viele ferne Länder wie Mexiko und Guatemala, ständig auf der Suche nach neuen Features über außergewöhnliche Menschen oder Schicksale.
In seiner rund 40-jährigen Karriere standen 200 Menschen vor seiner Kamera - angefangen von A wie der Boxer Muhammad Ali über K wie Edmond Kaiser, Gründer des Kinderhilfswerks Terre des Hommes, der Troller das Elend der Leprakranken in Indien vor Augen führte, bis zu Z wie Elmo Zumwalt, der mitverantwortlich war für das Versprühen von Entlaubungsmitteln im Vietnam-Krieg.
"Was mich von anderen unterscheidet, ist eine gewisse Unverfrorenheit den Leuten gegenüber, mit denen ich filme, was eine angenommene Haltung ist, weil in Wirklichkeit mein Respekt ungeheuer ist", erklärte der mehrfach ausgezeichnete TV-Journalist, der in seinen Filmen bis an die Grenze des journalistisch Möglichen geht. Er tastet sich jedoch an die Menschen heran, ohne sie bloßzustellen. "Troller hat eine Begabung, Menschen zum Sprechen zu bringen", behaupten seine Freunde.
Der in Wien geborene Troller, der wegen seiner jüdischen Abstammung 1938 in die USA floh, ist immer ein Heimatloser, ein Suchender, geblieben. Obwohl er seit rund 50 Jahren in Paris lebt, bezeichnet er die Stadt an der Seine als sein "ständiges Provisorium", das er als "Stadt der Abenteuer liebt" und über die er gerne schreibt und dreht.
Troller, der mit seinem Karl-Lagerfeld-Zopf und seinem grauen Bart nicht aussieht wie ein 85 Jahre alter Fernsehjournalist, sondern wie ein altersloser Künstler, sieht in seinem Interesse an den vielen fremden Lebensläufen ein Versuch der Selbstfindung: "Die Hauptantriebsfeder muss die innere Notwendigkeit gewesen sein, mich selbst zu retten. Mich selber aus der Lähmung, aus dem Unbeteiligtsein, aus der Angst vor dem menschlichen Kontakt zu retten. All das waren Resultate von Krieg und Emigration."





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