Sonntag, 27. Mai 2012, 08:57

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

Musikempfehlung

Die Texte waren so rotzfrech, so eindeutig zweideutig, so clever knapp an der Gürtellinie vorbei, dass man sich heute noch das staunende Grinsen nicht verkneifen kann. Hollaender, Spolansky und Nilson versorgten die Berliner Kabaretts der wilden 20er-Jahre mit Liedern, die sich ungebremst über Doppelmoral und Spießbürgertum lustig machten. Besonders im ergiebigen Bereich des Zwischenmenschlichen wurde keine Gelegenheit für zielsichere Ironie ausgelassen - "Sex-Appeal", "Ich bin ein Vamp" oder "Zieh dich aus, Petronella!" kostet Ute Lemper, eine kleine, feine Nachtklub-Combo neben sich, mit Schmackes und gurrender Rafinesse aus. "Wenn die beste Freundin" oder "Das lila Lied" besang, was allenthalben war, aber nicht sein durfte. Unverblümt tagespolitisch und bissig war der anspielungspralle Song "Mir ist heut so nach Tamerlan!", in dem schon 1922 ein herrischer Führer tief durch den braunen Kakao gezogen wurde. 1931 schrieb Hollaender sein "Münchhausen-Lied", in dem es düster hieß: "Lüge, Lüge, Lüge! Alles was der Mann gesehn, aber er erzählt so schön! Um die Illusion sich nicht zu rauben, möchte man ihm alles, alles glauben." Zwei Jahre später kamen die Lügner endgültig an die Macht, die Kabarett-Stars der Weimarer Republik mussten fliehen. Schluss mit lustig.

  • Berlin Cabaret Songs Ute Lemper, Matrix Ensemble, Robert Ziegler (Decca).
jomi

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus