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Kultur & Live

Hans Haacke: Erste Retrospektive in Deutschland

Der Idealist der Kunstwelt

Die Deichtorhallen präsentieren zum ersten Mal einen Überblick über das Schaffen des kritischen Künstlers.

Hamburg. Wie ein großer Kämpfer, der die Machenschaften von global agierenden Konzernen mit Hilfe der Kunst anprangert, sieht er nicht gerade aus, dieser kleine, freundlich lächelnde Herr mit Bart und verwaschener Jeans. Aber der Eindruck täuscht: der Künstler Hans Haacke, der dieses Jahr 70 Jahre alt geworden ist, hat im Laufe seiner Karriere mit verschiedenen Installationen immer wieder für Aufsehen gesorgt und Diskussionen angestoßen.

Zwei Skandalen, die ihn international bekannt machten, verdankt er das Thema seiner kritischen Arbeiten: 1971 setzten sowohl das New Yorker Guggenheim-Museum und 1974 das Kölner Wallraf-Richartz-Museum den jungen Künstler vor ihre Türen, nachdem bekannt geworden war, dass Haacke die geschäftlichen Methoden ihrer Leihgeber in seinen Ausstellungen zum Thema machen wollte. Seit diesem Schlüsselerlebnis stehen in seinem Werk die Darstellung politischer und ökonomischer Verflechtungen von Vertretern des Kunstmarktes und des Museumsbetriebs, von Sponsoren und Großsammlern im Mittelpunkt. Haackes Kunst wird als politisch-engagiert interpretiert, sie will gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Wie beispielsweise in einer seiner bekanntesten Arbeiten "Der Pralinenmacher" von 1981, in der er den Geschäftspraktiken des Schokoladenherstellers Peter Ludwig, der vor allem Frauen zu Billiglöhnen in seinen Fabriken beschäftigte und ihnen Kinderbetreuung verweigerte, Ludwigs eigennützig-uneigennütziges Engagement im Kunstbereich gegenüberstellt.

Diese Arbeit ist nun ein Teil der großen Doppelausstellung, die dem seit 1965 in New York lebenden Künstler an zwei Standorten, den Deichtorhallen in Hamburg und der Akademie der Künste in Berlin, erstmalig gewidmet ist. Liegt der Schwerpunkt in Berlin eher auf seinen Werken zu Geschichte und Politik, so stehen in Hamburg Arbeiten im Mittelpunkt, die um die Themen Unternehmen und Sponsoring kreisen. In den Deichtorhallen werden Installationen, Fotografien und Gemälde Haackes von seinen frühen Werken bis hin zu aktuellen Arbeiten, die eigens für die Ausstellung konzipiert wurden, gezeigt.

Beim Betreten der Halle fällt die Transparenz des Raumes sofort ins Auge. Auf der Grundlage von Haackes Vorstellungen verzichteten die Ausstellungsmacher größtenteils auf Stellwände in der Mitte, sondern die Werke werden vor allem in Seitenkabinetten gezeigt. Dadurch entstand die gewünschte Offenheit zwischen der umliegenden Stadt und dem Museum, die durch drei große Spiegelinstallationen von Haacke, die den Außenraum visuell in die Halle erweitert, unterstrichen wird.

Insgesamt bietet sich dem Betrachter ein extrem vielschichtiger Überblick über ein Künstlerleben, das dem manipulierenden Kunstmarkt nicht gefallen wollte: "Ich habe nie vom Verkauf meiner Arbeit leben müssen, sondern bezog mein Geld von Lehrtätigkeiten", erläutert Haacke. "Sonst hätte ich meine Unabhängigkeit verloren." Für ihn war es daher sehr wichtig, dass die gerade eröffneten Ausstellungen nicht durch Sponsoren, die Einfluss auf die Gestaltung hätten nehmen können, bezuschusst wurden. Dennoch ist eine zu starke Trennung zwischen Kunst und Wirtschaft nicht möglich, schließlich "sitzt jeder irgendwie zwischen den Stühlen", wie der Künstler weiter zu bedenken gibt.

Für Robert Fleck, der die Ausstellung kuratiert hat, steht die Bedeutung des mehrmaligen "documenta"-Teilnehmers Haacke außer Frage: "Sein Herangehen an öffentliche Themen hat die jüngere Künstlergeneration beeinflusst, und er ist zu einer Art moralischer Instanz geworden."

  • Deichtorhallen. Hans Haacke - wirklich - Werke 1959-2006, 17.11.2006 bis 4.2.2007, di-so 11-18 Uhr.

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