Ein neues Buch von den Machern des literarischen Sonntags-Salons "Kaffee.Satz.Lesen".
HAMBURG. Krankenschwestern und Busfahrer, Polizisten und Schaffner, Kellner und Hotelpagen, Imbissbudenbesitzer und Friedhofsfloristen, leider auch Journalisten und selbstverständlich Pfarrer. Sie alle gehören zu den gebeutelten Berufsgruppen, die in schöner Regelmäßigkeit ihre Sonntage für das Gemeinwohl (und, zugegeben, das Gehaltskonto) opfern. Sie alle können also nur selten die sehr empfehlenswerte, aber dummerweise eben auch sehr sonntagnachmittägliche Vorlesestunde "Kaffee.Satz.Lesen" in der Hamburger "Baderanstalt" genießen.
Das ist tragisch. Es gibt trotzdem einen Grund, an dieser Stelle weiterzulesen.
Zum zweiten Mal nämlich haben Sven Heine und Stevan Paul, die Macher des literarischen Salons, der jeden letzten Sonntag im Monat über die Off-Bühne in Hamm geht, eine Anthologie herausgebracht. Zum Selberlesen. Freie Wochentag-Wahl für alle. Aus 19 Sonntagen, 60 Autoren und 67 Erzählungen haben Paul und Heine einen respektablen Erzählband zusammengestellt (Mairisch-Verlag, 351 S., 15,90 Euro ). Ganz an den Umfang des "Hamburger Ziegels" reicht die "Kaffee.Satz.Lesen"-Anthologie zwar noch nicht, sie eröffnet jedoch einen durchaus repräsentativen Querschnitt durch die ausgesprochen schreibwütige lokale Jungliteratenszene.
Die Macht-Klub-Macher Alexander Posch und Michael Weins sind ebenso dabei wie der Thalia-Dramaturg John von Düffel und - mit einer hübschen Jürgen-Flimm-Anekdote - der Schauspieler Jörg Meyerhoff. Arne Nielsen steuert eine gewohnt schräge Kurzgeschichte bei, und Klaus Cäsar Zehrer handelt in seiner treffsicheren "Hamburger Trilogie" die Straßen Jungfernstieg, Reeperbahn und Rothenbaumchaussee vers-technisch ab. Ein Appetithäppchen für alle Krankenschwestern, Busfahrer, Polizisten, Schaffner, Kellner, Hotelpagen, Imbissbudenbesitzer, Friedhofsfloristen, Journalisten und Pfarrer dieser Stadt - und für alle anderen sowieso:
"Dschingis Kahn zog in den Krieg/ nachdem er von den Jungfernstieg".
"Zur Waldlichtung im grünen Tann/ fährt das faule Reeperbahn".
Mehr davon? Buch kaufen. Oder am 29. Oktober um 16 Uhr Feierabend haben und zum nächsten "Kaffee.Satz.Lesen" in die "Baderanstalt" fahren.











