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Kultur & Live

Der Kunst-Park, der Kiez und das Geld

HAMBURG. Die Geschichte, pünktlich zum 25. Jubiläum von "Kunst im öffentlichen Raum" in Hamburg eskalierend, klingt fast zu abstrus, um wahr zu sein. Doch wahr werden konnte sie nur an einer gesellschaftspolitischen Demarkationslinie wie jenem Platz oberhalb der Riverkasematten und dem Golden Pudel Club. Hier prallen Weltanschauungen frontal aufeinander. Einerseits die Interessen von Investoren, die den Stadtteil mit viel Geld verhübschen und glätten wollen. Andererseits die Off-Szene und das Kunstverständnis der "Park Fiction"-Macher, die 1997 begannen, den Park am Pinnasberg mit basisdemokratisch organisierter Bau-Kunst liebevoll umzugestalten und dafür sogar zur "documenta 11" eingeladen wurden. Für sie, so Christoph Schäfer, einer der beteiligten Künstler, ist Kunst im öffentlichen Raum etwas komplett anderes als "Spektakelwürstchenbuden und Leuchtobjekte". Schlussstein sollte ein Archiv-Container sein, der auf Stelzen gelagert die Geschichte des Projekts dokumentiert.

Daraus wird nichts. Obwohl die Kulturbehörde seit drei Jahren die bewilligten 50 000 Euro ausgeben möchte. Obwohl der für die Gegend zuständige Bauausschuss über den Vollzug derartiger Projekte nur informiert werden muss. Er darf nicht ästhetisch argumentieren. Tut er auch nicht. Jedenfalls nicht so direkt. Aber er schlug unter anderem vor, das Archiv abseits des Parkgeländes aufzustellen. Und nach monatelangem Hin und Her überraschte er die "Park Fiction"-Planer: Ihr Konzept würde an der Nichtzugänglichkeit für Behinderte scheitern. Der Vorschlag, Behinderten den Zugang zu Archiv-Informationen durch spezielle Besuchertermine zu ermöglichen, sei abgelehnt worden, so Schäfer, er wäre diskriminierend.

Die Kulturbehörde steht offenbar auf verlorenem Posten, die Referatsleiterin zeigt Verständnis, aber was soll man machen. Konsequenzen ziehen nun die "Park Fiction"-Macher - sie ziehen ihren Entwurf zurück, weil sie "dem übergriffigen Kleingeist nicht mit Verfälschung entgegenkommen" wollen, erarbeiten einen neuen und reichen einen Änderungsantrag bei der Kulturbehörde ein, die wieder prüfen will. Was soll man auch sonst machen.

  • Infos unter www.parkfiction.org. Am Sa 14.10. findet ab 13 Uhr das internationale Symposium "Umsonst & Draußen" im "Park Fiction"-Tulpenfeld statt.jomi

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