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Kultur & Live

Die Literatur zu Gast bei Freunden

Das Wohnzimmer: Die Renaissance der Guten Stube - zweimal deutsche Gemütlichkeit. Das Wohnzimmer als privates Pantoffelparadies, Gemütlichkeit als Kokon des Großstädters? Zwei Veranstaltungsreihen räumen auf mit dem Klischee. Bei Wohnzimmerlesungen kommen Kultur und unbekannte Gäste ins Haus. Bei der "Wohnzimmer-WM" wird die Wohnkultur nach draußen verfrachtet.

Hamburg. "Wohnzimmerneid". Ja, dieses Phänomen existiert. Hartmut Pospiech überkommt dieses Gefühl jedoch nicht beim bewundernden Blick auf Designerfotos in Wohnzeitschriften. Der Geschäftsführer des Hamburger Vereins "writers room" bevorzugt das wahre Leben, die echte gute Stube.

Zusammen mit Ursula Schötzig organisiert der selbsternannte Literaturaktivist für die "literatur altonale" Wohnzimmerlesungen mit wechselnden Schriftsteller-Duos. Zum ersten von vier Abenden hatten altonale-Geschäftsführer Dieter Meine und seine Frau Uschi Mühlenberend ihr Domizil an der Friedensallee für zwei lesende Autoren und 15 lauschende Gäste geöffnet. "Gern mit einer Flasche Wein/Saft/Bier unterm Arm" hieß es im altonale-Heft. Doch die Haus- respektive Wohnungsherrin hatte es sich nicht nehmen lassen, auch "ein bißchen was einzukaufen". Die Literatur zu Gast bei Freunden.

"Gläser sind im Schrank, bedienen Sie sich!" Anfangs noch leicht verstohlen griffen die frisch Eingetroffenen zu den auf einem Sims bereitsgestellten Getränken. Doch wie auf jeder guten Privatparty machte anfängliche Höflichkeit bald echter Geselligkeit Platz. Die Hörer saßen im Kreis auf Ledersofas, Klapp- und Korbstühlen beieinander. Die Sonne schickte letzte Strahlen durch den Wintergarten, über Bücherregale und Kunst an Rauhfaser, Schälchen mit Nüßchen und Bärchen. Ein Couch-Potatoe-Dasein ohne kulturtechnisch schlechtes Gewissen. Und das Zappen übernahmen die Autoren direkt selbst. Im Wechsel trugen die Zweimeter-Männer Lars Henken und Lars Dahms, am Leselämpchen hockend, ihre Prosa vor.

Henken lud mit seinen ins Surreale abdriftenden Geschichten zum Gedankenwandern, erzählte von einer Liaison an der Elbe und einem Ding ohne Namen. Dahms sorgte mit lakonisch-ironischen Alltagsstudien über Bierholen, Bauernversteigerung und immer wieder den Tod für gebannte Zuhörer und Gelächter. In der Pause und nach der Lesung wurde - unter anderem - über das Gehörte diskutiert. Aufgehoben die beflissene Distanz zwischen Lesepult und Auditorium. Neidisch werden könnte, wer nicht dabei war.

  • Wohnzimmerlesungen : Je zwei Autoren lesen am 15.,17.,18.6., 20 Uhr; 4 Euro . Anmeld.: 39 80 69 70; www.altonale.de

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