12.05.06

Der scharfe Blick auf das eigene System

Zapp: Behörde finanzierte ARD-Stücke

Hamburg. Medien schreiben über Medien - ein oft heikler Auftrag, zu viele Interessen müssen berücksichtigt werden. "Recherche ist immer schwierig und anstrengend, und im eigenen System zu recherchieren ist nicht einfacher." Kuno Haberbusch kennt dieses System nur zu gut. Zehn Jahre war er "Panorama"-Redaktionsleiter, seit eineinhalb Jahren ist der 51jährige Chef von "Zapp". Jeden Mittwochabend um 23 Uhr berichtet das Medienmagazin im NDR über Amüsantes, Aufregendes, Alarmierendes aus Film, Funk und Fernsehen, aus Verlagen und Agenturen. Zuweilen über das eigene Haus.

So auch am vergangenen Mittwoch: "Gekaufter Journalismus - für uns als kritisches Medienmagazin immer wieder Thema. Diesmal betrifft es unser eigenes System", begrüßt Moderatorin Inka Schneider die Zuschauer. "Zapp" enthüllt, daß die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Zuschüssse an öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten für "Positiv-TV" bezahlt haben. Genannt werden Beiträge bei "JoJo - Das Jobjournal" (MDR) und " Arbeitsmarkt aktuell" (rbb) sowie die Reihe "Miteinander" mit DRV-Beiträgen beim rbb und beim Hessischen Rundfunk.

Bei der gebotenen Staatsferne der öffentlich-rechtlichen Sender darf "kein Geld für Berichterstattung fließen", kritisiert der Medienrechtler Dieter Dörr. "Das ist der größte Sündenfall, den ich mir überhaupt vorstellen kann." Der Zuschauer gehe davon aus, daß sein Sender ihn informiere - dabei könne hier eine staatliche Institution Imagewerbung für sich machen.

Der MDR wies die "Zapp"-Darstellung gestern als "tendenziös" zurück, andere betroffene Sender distanzierten sich. Und manch einer fragt sich, ob ausgerechnet ein Magazin aus dem ARD-Medienverbund diesen Fall aufgreifen mußte. "Um journalistisch glaubwürdig zu sein, können wir nicht 50 Prozent des Fernsehmarktes ausblenden", antwortet Kuno Haberbusch. "Es muß möglich sein, den Blick auch auf unser System zu richten und nicht nur Fehler bei Privatsendern oder Verlagen zu sehen."

Der "Zapp"-Chef sagt, er habe wegen des Beitrags keinmal mit Intendant Jobst Plog gesprochen, Programmdirektor Volker Herres habe zwar die Themenliste gekannt, wollte aber die Filmbeiträge auch nicht vor der Ausstrahlung sehen.

Das publizistische Echo bestärkt Haberbusch in seiner Haltung, vor allem aber die Resonanz des Publikums. Trotz der langen, ernsthaften Stücke habe "Zapp" am Mittwoch einen überdurchschnittlichen Marktanteil von 7,3 Prozent gehabt, sonst sind es 4,2 Prozent. "Vielleicht können wir den Zuschauern doch mehr zumuten, als wir es zuweilen tun?"

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