Dienstag, 14. Februar 2012, 21:42

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

No future!

Ansichtssache

Schriftsteller schreiben im Hamburger Abendblatt: Zu den Vattenfall Lesetagen drucken wir bis zum 26. April jeden Tag eine Kolumne über das Thema Zukunft. Den Anfang macht der Kinderbuchautor Mario Giordano.

Jeder, der noch ganz bei Trost ist, ignoriert Zukunftsprognosen. Zukunftsprognosen sind was für Angsthasen und Angsthasenmacher, für Lifestyle-Heftchen, Versicherungen, Trendscouts, Autoren und den ADAC. Denn entweder wird die Welt immer geiler und schneller, oder der Ofen ist morgen ganz aus. Und wer glaubt das schon!

Mit 16 konnte ich drei Griffe, und auf meinem Gitarrenkoffer stand "No future". Ein Lehrer sagte meiner Generation eine Lebenserwartung von maximal 30 Jahren voraus. Wegen Atomkrieg und so. Wir fanden das absolut logisch und sind trotzdem zu den Demos gegen die Pershings gegangen.

Mehr als drei Griffe kann ich immer noch nicht, aber ich begreife allmählich, daß meine persönliche Zukunft sich womöglich nicht zuverlässig vorhersagen läßt. Noch weniger die meiner Rentenfonds oder der gesamten Menschheit.

Die Zukunft der Erde dagegen schon.

Evolutionsbiologen, Geologen, Genetiker und Klimaforscher entwickeln im Discovery Channel muntere Modelle, wie man sich die Welt in 200 Millionen Jahren vorzustellen habe. Und das beste daran: der Mensch kommt nicht mehr vor. Das ist nämlich die Grundannahme: Eine Erde ohne Menschheit. Die hat sich beizeiten selbst abgeschafft - oder ein Komet oder so hat nachgeholfen. No future. Die Erde dagegen dreht sich höchstens ein bißchen langsamer, kriegt Eiszeit auf Warmzeit, spielt mit ihren Kontinenten, und am Ende gewinnen die Haie und Insekten. Beziehungsweise die Kalmare. Die beerben uns nämlich als Masterminds, weil sie heute schon so schlau sind. Und in 200 Millionen Jahren erst, wenn sie an Land gekommen sind und als gigantische Intelligenzbestien achtbeinig durch die Wälder schlurfen! Was meine Tante Rosaria heute noch in schwarzer Soße zu den Spaghetti reicht, bestaunt übermorgen meine fossilen Überreste. Super! Nimmt mir zwar nicht die Zukunftssorgen, aber zum Glück auch nicht den Appetit.

  • Mario Giordano liest am 20. April um 18 Uhr aus "Der aus den Docks" (Rowohlt; 5,90 Euro). Ort: HOEB4U Zeise, Jugendbibliothek, Friedensallee 9, (wenige freie Plätze).

    Außerdem liest er am 21. April um 16 Uhr aus "Engel & Ungeheuer" (Aufbau Verlag; 20 Euro). Ort: Kunsthalle, Treffpunkt: Altbau-Rotunde, Glockengießerwall (ausverkauft, evtl. noch Restkarten an der Abendkasse).

  •  

    Artikel versenden

    Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus