Ausleihverkehr nach Fahrplan
Wissen für alle: Was die Öffentlichen Bücherhallen den Hamburgern zu bieten haben (Teil 3). Die Bücherbusse ermöglichen die Mediengrundversorgung in abgelegenen Teilen Hamburgs.
Hamburg. Sandbek, Odemanns Heck, Heulandhagen, Dringsheide und Waldfrieden (Bauernholztal) - die Haltestellen klingen nach tiefster Provinz. Doch nicht von einer Überlandpartie ist die Rede, sondern vom fahrplangerechten Service im Hamburger Stadtgebiet. Die zwei HÖB-Bücherbusse sind für die Grundversorgung der Bewohner in den abgelegeneren Bereichen der Bezirke Bergedorf, Mitte und Harburg zuständig, wo die nächste Bücherhalle weit, der Bedarf aber groß ist.
Ein Job, der den Horizont von Bibliothekaren erweitert, denn hier läuft einiges anders. "Ingrid, guckst du mal raus, ob der Radfahrer noch weit weg ist?" bittet Fahrer Uwe Lange seine Kollegin Ingrid Achilles beim Abbiegen. Die beiden und Assistentin Corinna Thiele sind auf dem Weg vom Busdepot im Harburger Carree zur ersten Station der Bergedorfer Tour an diesem Dienstag. Ziel ist die Fritz-Köhne-Schule in Rothenburgsort, aus der sich acht Grundschulklassen angesagt haben. Der Weg vorbei an einer Kneipe, auf deren Dach ein Motorrad steht und die den anheimelnden Namen "Bei Jürgen" hat, läßt erahnen, daß hier nicht gerade ein Biotop für Vielleser ist.
Mit jeweils vier- bis fünftausend Medien (das Magazin in Harburg stellt rund 29 000 Titel) sind die beiden blauen Busse an vier Tagen in der Woche unterwegs. Der Harburger hat 32 Haltepunkte, der Bergedorfer 27. Vormittags werden nur Schulen und Kindertagesstätten bedient, nachmittags ist das Angebot offen für alle HÖB-Kunden. Das Gros der Nutzer sind Kinder bis zwölf (53 Prozent) und ältere Frauen.
Während Ingrid Achilles und ihre beiden Assistenten den Tresen aufbauen und die Laptops (seit August sind die Busse über UMTS-Mobilfunk im HÖB-Netz) hochfahren, drängeln sich schon die ersten Drittkläßler vor der Tür. Danach wird's eng und laut. Im hinteren Ende gibt's einen Stau und hektisches Suchen nach den besten Sachen. Einige Kinder hocken sich direkt irgendwo mit einem Buch hin. Ihre Lehrerin gibt den Stapel der Vorwoche zurück, holt vorbestellte Bücher ab, verteilt die Lesekarten, und ein neuer Stau entsteht vorm Tresen. Uwe Lange dirigiert mit milder Strenge den Ansturm, spricht alle Kinder mit Namen an, repariert nebenbei einen Bucheinband und streut Ermahnungen ein: "Du hast noch ein Buch zu Hause." - "Nicht in meinen Computer beißen." Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei, kurzes Aufräumen, bevor es mit der nächsten Klasse wieder von vorn losgeht.
"Viele Kinder kennen von zu Hause her den Umgang mit Büchern nicht", sagt Ingrid Achilles. Deshalb müssen ihnen die HÖB im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommen. "Wir bedienen mit den Bussen überwiegend Orte, wo die Leute nicht soviel Geld haben", fügt die Leiterin der HÖB-Bücherbusse hinzu. "Mich motiviert, daß ich sehe, wie dankbar das Angebot angenommen wird. Und daß wir Kinder an Bücher heranführen können."



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




