Der große Spötter vom Niederrhein
Hanns Dieter Hüsch: Der Kabarettist ist tot. Er starb in der Nacht zu Dienstag im Alter von 80 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Frankfurt/Main. Hanns Dieter Hüsch war mehr als 50 Jahre der große Solist der deutschen Kabarett-Szene. Mit seinen Auftritten an der kleinen Orgel, bei denen er seine Texte und Geschichten vom Blatt ablas, hat er Generationen von Fans zum Nachdenken und Lachen gebracht. Kennzeichnend für Hüsch war die komische Fallhöhe zwischen scheinbar schlichten Alltagsbeobachtungen und philosophischer Poesie. "Alles, was ich bin, ist niederrheinisch", erklärte Hüsch. "Küche, Krankenhaus, Kirchhof, das sind die drei großen Ks des Niederrheiners, und von diesen Plätzen erzählt er auch immer sein Leben lang."
Prägend für den Sohn eines preußischen Beamten aus Moers am Niederrhein war, daß er am 6. Mai 1925 mit verdrehten Füßen auf die Welt kam. "Mein Leben verdanke ich meinen Füßen", schrieb Hüsch in seinem Buch "Du kommst auch drin vor". Sie hätten ihn gezwungen zu lesen und zu phantasieren, zu Höhenflügen verleitet und vor dem Kriegsdienst bewahrt. Bei seinen vielen Krankenhausaufenthalten als Kind unterhielt er Krankenschwestern und Ärzte. Die Mutter überredete ihn zu einem Medizinstudium, das er aber bald abbrach. An der Mainzer Universität begann er Theaterwissenschaft und Literatur zu studieren.
Zunächst trat er 1947 und 1948 mit dem Studentenkabarett "Die Tol(l)eranten" an Universitäten auf. Der junge Hüsch sang bei der Musikband "Uni-Rhythmiker", spielte Klavier oder führte 1953 sein "Kritisches Oratorium für Soli, Chor und Reißnagelklavier" auf. 1956 gründete er in Mainz das Kabarettensemble "arche nova", dessen Leiter er bis 1962 war.
Die Studentenbewegung der 68er Jahre lehnte ihn als zu kleinbürgerlich und zuwenig revolutionär ab. Auf die politisch engagierten Liedermacher dichtete er später Spottverse wie "Karl-Gustav macht polit-gynäkologische Lieder; Fritz-Ottmar macht emanzipiert-protestantische Lieder; Heinz-Detlef macht sado-poetische Bekenntnislieder; und ich mach' dummes Zeug". In den 70er Jahren kreierte er seine niederrheinische Kleinstadt-Familie mit seiner Alter-ego-Figur Hagenbuch, Onkel Hein und Ditz Atrops, der abends an der Theke stand und Geschichten erzählte, zum Beispiel, daß er in einer Wäscherei in Dinslaken dem lieben Gott begegnet sei. Mit dem Programm "Das schwarze Schaf vom Niederrhein" kehrte Hüsch 1976 zu seinen Wurzeln zurück. Die Geschichten erzählte er in Dialogen, die so begannen: "Na, wie is et denn. Gut? Hauptsache, sach ich immer."
Mit hörbarem Spaß an komischen Namen synchronisierte Hüsch Stummfilm-Slapstick unter dem Titel "Väter der Klamotte" oder "Dick und Doof". Eine der wenigen Rollen vor der TV-Kamera war in der Familienserie "Goldener Sonntag". Ab Oktober 1973 präsentierte er im Fernsehen des Saarländischen Rundfunks die Sendung "Gesellschaftsabend", in der Kollegen aus Kabarett, Chanson und Jazz auftraten.
Ende 2000 verabschiedete er sich mit seinem letzten Soloprogramm "Wir sehen uns wieder". Im Januar 2001 trat er bei der 100-Jahr-Feier des deutschen Kabaretts in der Berliner Akademie der Künste auf. Hüsch hatte mehr als 40 Jahre mit seiner Frau Marianne und Tochter Anna in Mainz gelebt und zwischendurch in der Schweiz. Nach dem Tod seiner Frau 1985 zog er 1988 nach Köln. Mit seiner zweiten Frau Christiane lebte er zuletzt zurückgezogen in Windeck im Rhein-Sieg-Kreis. Hüsch wurde 1998 wegen Lungenkrebs operiert; im November 2001 erlitt er einen Schlaganfall. In der Nacht zum Dienstag starb er zu Hause. In einem seiner Bücher hatte Hüsch geschrieben, er wünsche, daß der Kölner Pfarrer Uwe Seidel einmal an seinem Grab sprechen werde, aber auch der Franziskaner-Pater Wehrenfried Wessel aus Dortmund: "Ich möchte auch da noch Menschen an einen Tisch bringen."




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