25.11.05

Schleichfahrt ins Verderben

Expedition: Tauchaktion zum Wrack des Kreuzers "Blücher". Ein Taucherteam des NDR ist zu dem deutschen Kriegsschiff hinabgestiegen, das vor mehr als 65 Jahren gesunken ist.

Von Günter Stiller

Reportage: Versunken im Oslo-Fjord. 20.30 Uhr NDR

Als der Kreuzer "Blücher" am Morgen des 9. April 1940 in den Oslo-Fjord eindrang, war er das neueste Kriegsschiff der Kriegsmarine und Flaggschiff einer Kampfgruppe, die im "Handstreich" die Hauptstadt Norwegens besetzen und König Hakon VII. samt Regierung gefangennehmen sollte.

Der Nacht-und-Nebel-Angriff schlug fehl. "Blücher" liegt seit nunmehr 65 Jahren in 90 Meter Tiefe auf dem Grund des Oslo-Fjords, als größtes Kriegsgrab Norwegens und als tickende Zeitbombe: 500 bis 600 tote deutsche Seeleute und Heeressoldaten ruhen immer noch im Inneren des Wracks, mehr als 1000 Tonnen Öl und zahllose Granaten sind an Bord. Internationale Fachleute halten den Schweren Kreuzer für "das Kriegsschiff, das die meisten Schlagzeilen gemacht hat".

Die "Blücher", deren erste Feindfahrt auch die letzte war, ihre Geheimnisse und ihr dramatisches Ende sind das Thema der Dokumentation "Versunken im Oslo-Fjord - Die Todesfahrt der ,Blücher'". Weit mehr als zwei Jahre hatten NDR-Redakteur Thomas Mauch (46) und das NDR-Taucherteam auf die Genehmigung der norwegischen Behörden warten müssen, den letzten Liegeplatz der "Blücher" in der berüchtigten Dröbak-Enge anzusteuern und den Abstieg zu dem kieloben liegenden brisanten Wrack zu wagen.

Heraus kamen Unterwasserfotos, die eine aktuelle Diagnose des Wracks erlauben: "Im Rumpf ist ein so gewaltiger Riß, daß man sich wundern muß, daß der Schiffsrumpf noch nicht geplatzt ist", sagt Thomas Mauch. "Aber es ist klar: Die ,Blücher' wird in zwei Teile auseinanderbrechen. Ob es dann zu der befürchteten Ölverschmutzung des Fjords kommen wird? Die Experten streiten sich immer noch."

Immer noch nicht geklärt werden konnte auch die genaue Zahl der Opfer. Da hatte die Wehrmachtsbürokratie seltsamerweise schon im Krieg versagt: An Bord des Kreuzers waren rund 1300 Besatzungsmitglieder und 802 Mann Landungstruppen, aber auch Post- und Verwaltungsbeamte. 550 Leichen wurden 1940 auf dem Soldatenfriedhof Oslo-Alfaset beigesetzt. Der Kommandant der "Blücher" war nicht darunter: Kapitän zur See Heinrich Woldag, der kurz nach dem Untergang seines Schiffes mit Gewalt an einem Selbstmordversuch gehindert worden war, war auf dem Flug von Kiel zur Trauerfeier nach Oslo verschwunden. Das Wrack des Flugzeuges wurde nicht gefunden.

Sicher ist aber, daß es auf der Brücke der "Blücher" kurz vor dem Durchbruch durch die Dröbak-Enge zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Kommandanten und dem Befehlshaber der Kampfgruppe Oslo, Konteradmiral Oskar Kummetz, über die richtige Taktik gekommen war: Woldag wollte mit hoher Fahrt durchbrechen, der Admiral fuhr dagegen, so ehemalige "Blücher"-Männer, "mit nicht zu rechtfertigender Schleichfahrt ins Verderben".

Zwei 28 Zentimeter-Granaten aus 48 Jahre alten Krupp-Kanonen und zwei Torpedos reichten aus, den Kreuzer in eine flammende Hölle zu verwandeln. In Oslo warteten die Agenten der Abwehrstelle Hamburg vergebens auf Schiff und Truppen, und Norwegens König konnte samt Goldschatz per Sonderzug und britischen Kreuzer nach Großbritannien flüchten, wo er den norwegischen Widerstand gegen Deutschland organisierte. Die "Blücher" bleibt nicht nur ein militärisches Lehr-, sondern auch ein politisches Abschreckungsstück.

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