Sponsor Telecom kippt Knebelverträge für die Presse
Pressefreiheit: Ärger um Berliner Robbie-Williams-Konzert
BERLIN. Welch absurde Blüten die Kooperation zwischen Künstler und Marketingpartner zuweilen treibt, war am Wochenende anschaulich am Beispiel Robbie Williams zu beobachten. Schon am Freitag bei der offiziellen Präsentation seines neuen Albums "Intensive Care", das vorab an keinen Journalisten verschickt wurde und von den Medienvertretern statt dessen ausschließlich per neuartiger Handy-Abspielfunktion gehört werden konnte, schienen die Werbepartner fast präsenter als der Künstler: Hochtoupierte T-Mobile-Hostessen erklärten die Funktionen des beworbenen Musik-Handys.
Die Logos der Sponsoren, die den Hintergrund beim offiziellen Fototermin ausmachten, waren am Folgetag auf den meisten Zeitungsfotos verewigt. Auch die Pressemappe war vorab dick mit Werbepartner-Material gefüllt worden. Sinnvoller für die Berichterstattung wäre es gewesen, man hätte dort die neuen Songtexte vorgefunden.
Der Gipfel der Vermarktungs-Frechheit allerdings passierte am Sonntag während des eigentlichen Robbie-Williams-Konzerts im Velodrom: Kein einziger deutscher Fotograf war zugelassen, um das Pop-Ereignis zu dokumentieren.
Statt dessen schickte eine britische Agentur, beauftragt vom Robbie-Williams-Management, einen Exklusiv-Fotografen und bot die Bilder für 150 britische Pfund zum Kauf an.
Die Deutsche Presseagentur (dpa) und Associated Press (ap) verzichteten deshalb ganz auf die Konzert-Berichterstattung: "Wir sind stinksauer", erklärte Hans-Peter Hill, Chef vom Dienst der dpa-Bildredaktion, gestern gegenüber dem Abendblatt. "Das ist eine massive Einschränkung der Pressefreiheit." Die noch weitere Kreise zieht: Um Zugang zur After-Show-Party zu erhalten, hatten schreibende Journalisten einen Vertrag zu unterzeichnen, in dem sie sich verpflichten mußten, den Handy-Sponsor im Artikel zu erwähnen.
Die "Welt Kompakt" und die Berliner Morgenpost verzichteten daraufhin - wie die Nachrichtenagenturen dpa und ap - auf die Nachberichterstattung von Party und Konzert. Michelle Kramer, T-Mobile-Sprecherin, zum Abendblatt: "Es lag nicht in unserer Absicht, die Berichterstattung zu beeinflussen."Auf die Frage, ob sie zustimme, daß T-Mobile durch den Vertrag aber sehr wohl Einfluß auf die Berichterstattung nehme, antwortete Kramer: "Ja."
Der ganze Vorgang hatte Nachwirkungen. Nach Intervention der Springer AG wegen der Einschränkung für die Arbeit der Journalisten des Hauses griff der Vorstandsvorsitzende der Telecom, Kai-Uwe Ricke, ein. Er sorgte noch gestern dafür, daß die Verträge mit der externen PR-Agentur, die für die After-Show-Party von Robbie Williams eingeschaltet worden war, gekündigt werden. Ricke soll intern das Vorgehen der Agentur scharf kritisiert haben. Ähnliches solle sich bei der Telecom nicht wiederholen dürfen.
Das Hamburger Abendblatt hatte einen Redakteur zu dem Robbie-Williams-Konzert entsandt und verzichtet wie die Presseagenturen und andere Zeitungen auf eine Berichterstattung.



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