In drei Minuten um die Welt?
HAMBURG. 80 Tage hat Phileas Fogg bei Jules Verne gebraucht, um einmal um die Welt zu reisen. Das war vor hundert Jahren. "Heute nehmen uns die Radio-Nachrichten in drei Minuten mit um die Welt", konstatierte Dietrich Sattler, Vorsitzender des Vorstandes der Hamburgischen Anstalt für Neue Medien (HAM), bei der 28. Hamburger Mediendebatte. Vorgestellt wurde die neue Studie "Nachrichten im Hörfunk - Ein Vergleich der Nachrichtenprofile norddeutscher Radioprogramme". Die Medienwissenschaftler Helmut Volpers, Detlef Schnier und Christian Salwiczek haben eine durchschnittliche Sendewoche lang die Nachrichtenprofile von 20 Radioprogrammen aus den fünf Bundesländern Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen untersucht.
Das Ergebnis der Studie zeigt, daß die klassische Kompetenzaufteilung im dualen Rundfunksystem zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern (inforeich) und privaten Sendern (infoarm) nicht mehr haltbar ist. Zwar räumen der Studie zufolge die öffentlich-rechtlichen Programme den Nachrichten mehr Raum ein und berichten umfangreicher und hintergründiger als die Privaten. Vergleicht man aber die Anzahl der Themen und Themenaspekte in der Berichterstattung, so schneiden laut Studio viele private Radioprogramme besser ab als die öffentlich-rechtlichen Sender NDR 1 Radio MV, NDR 2 und N-Joy. Die These der Konvergenz (die Angleichung der öffentlich-rechtlichen an die privaten Angebote) bekomme, so Volpers, hiermit neue Nahrung.
Das wurde (etwas zu) vehement von den anwesenden Radiomachern der öffentlich-rechtlichen Anstalten bestritten. Fazit? "Radiosender, die nur Musik und flotte Sprüche bieten, werden verzichtbar", sagte Volpers. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Musik-Internetportalen sollte sich das Radio auf seine Kernkompetenz besinnen: die Nachrichten. Ein gutes Informationsangebot sichere die Zukunft der Radios. Auch ökonomisch.



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