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Kultur & Live

Nicht mal der Zeitplan fiel aus dem Rahmen

Rockspektakel: Ein Wochenende mit Musik auf dem Grasbrook und dem Rathausmarkt. Brav, sauber, pünktlich - ein Festival für die ganze Familie war das "Import" in der HafenCity.

Hamburg. Unbequeme Wahrheiten sind nicht nur Gegenstand seiner spaßigen Punkrock-Balladen, sondern auch seiner Bühnen-Bonmots. Und so hatte der Ärzte-Frontmann Farin Urlaub auch diesmal nicht ganz unrecht, als er das "Import" am vergangenen Sonnabend ironisch als "Festival mit Rummelplatzcharakter" beschrieb - nett halt, aber irgendwie nicht so richtig aufregend.

Dabei waren die Rahmenbedingungen ideal: Obwohl Kachelmann und Co dem Norden fieses Schauerwetter angedroht hatten, blieb es trocken am Grasbrook in der HafenCity. Die ersten Besucher lagen schon in der nachmittäglichen Sonne, bevor Festival-Eröffner Ingo Pohlmann das Publikum dazu aufforderte, sich "so richtig hippiemäßig" niederzulassen.

Für sein entspanntes Akustik-Programm mit Cello-Begleitung war dieses Sit-in sicherlich die perfekte Zuhörposition, aber schon den nachfolgenden Sick Boyz hätte ein aufgeweckteres Auditorium gutgetan: Der Elektro-'n'-Roll-Sound der smarten Hamburger ging ordentlich nach vorne los. Trotzdem riß es den Großteil der Gäste noch nicht recht von ihren mitgebrachten (Camping-)Hockern.

Auch Mia, Berliner Rotzrock-Göre mit gewöhnungsbedürftigem Organ, hatte mit dem Phlegma der Zuhörer zu kämpfen: Ihre Appelle zu kollektiver Tanz-Ekstase erreichten nur Vereinzelte.

Mit Sicherheit trug zur Atmosphäre friedlicher Passivität auch die Tatsache bei, daß weder auf noch neben der Bühne mit großen Überraschungen aufgewartet wurde. Bis auf die ersten beiden Bands waren alle Acts Routine, was sich in den Shows nicht ausschließlich positiv niederschlug: Vor allem der "Wir sind Helden"-Gig wirkte lieblos, als ob Judith und ihre Männer nach dem Tour-Marathon der letzten Monate die Herzensfreude am Live-Performen verloren hätten.

Nichtsdestotrotz zählte der Auftritt der Berliner Erfolgsband neben Farin Urlaubs Racing Team und Seeed für das Gros der rund 7000 Besucher zu den Höhepunkten des zweiten "Import"-Festivals. Zu Recht: Gerade Farin Urlaub lieferte mit seinen grimmig dreinblickenden Damen eine astreine Show ab, und auch die Reggae-Recken von Seeed hatten ihr Publikum fest im Griff. Kein Wunder: Allein die "Dancehall-Queens" der hauptstädtischen Multikulti-Kombo hypnotisierten die Masse und waren bereits das Geld für die Eintrittskarte wert.

Tatsächlich praktizierten die drei Ladys mit ihrer sexy Choreographie die einzig überhaupt nennenswerte Enthemmung des Tages: Ansonsten tendierten weder Besucher noch andere Acts des "Import" zu Exzessen. Nicht mal der Zeitplan fiel aus dem Rahmen: Beinahe bis auf die Minute wurde daran festgehalten. Brav, sauber und pünktlich: ein Festival für die ganze Familie.

 

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