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Kultur & Live

Als ob ihm das Alter nichts anhaben könnte

Rolling Stones: 36 000 Fans jubelten der Band in den USA zu. Es ist ihre 31. Welttournee. Zum Auftakt traten die Altrocker in Boston auf. Frontmann Mick Jagger (62) war in Topform.

BOSTON. Das Fenway-Park-Stadion in Boston ist für den Baseball ungefähr das, was die Rolling Stones für den Rock 'n' Roll sind: ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das bei den Fans Emotionen weckt. Hier legten die Rolling Stones am Sonntag einen furiosen Auftakt ihrer Welttournee hin, für die so mancher tief in die Tasche griff. Bis zu 400 Dollar (330 Euro) zahlten einige Fans, um die legendäre Rockband zu erleben.

Mit dem Klassiker "Start Me Up" legten die Stones auf der riesigen Bühne des Stadions los. Und es machte ihnen sichtlich Spaß: "Es ist großartig, wieder in Boston zu sein", rief Mick Jagger den 36 000 Fans zu, die sich an dem heißen Sommerabend versammelt hatten, um ihren Idolen zu huldigen.

Auf eine Darbietung des noch unveröffentlichten Songs "Sweet Neo Con" - eine Kritik der sogenannten Neokonservativen um US-Präsident George W. Bush - verzichteten die Altstars. Vom neuen Album "A Bigger Bang", nach dem die 31. Welttournee der Gruppe benannt ist und das am 6. September herauskommt, ertönten insgesamt nur vier Songs.

Frontmann Mick Jagger zeigte sich in Topform: Der 62jährige ließ die Hüfte kreisen, rannte von einem Ende der Bühne zur anderen und klatschte mit erhobenen Händen - als ob ihm das Alter nichts anhaben könnte. Und auch der 61jährige Keith Richards lief bei seinen vielen Gitarren-Riffs immer wieder zu Hochform auf. Schlagzeuger Charlie Watts und Gitarrist Ron Wood, der am Wochenende mit einem Alkohol-Geständnis für Aufsehen gesorgt hatte, standen den beiden in der rund zweistündigen Show in nichts nach. Insgesamt brachte die Band 22 Songs zu Gehör.

Zuweilen wirkten die Stones auf der riesigen Bühne etwas verloren, doch dieses Problem wurde in der Mitte des Konzerts behoben, als ein hydraulisch bewegbarer Teil der Bühne die Band etwa 15 Meter ins Publikum hineinfuhr. Und hier - näher am Publikum - legten sie dann richtig los: Auf "Beast of Burden" folgte "Some Girls", "Oh No, Not You Again" von "A Bigger Bang" sowie Klassiker wie "Honky Tonk Woman" und ein erstaunlich frisch klingendes "Satisfaction", das die Menge mit Jubelstürmen quittierte.

Auch "Jumpin' Jack Flash", "Brown Sugar" und ein von einem Feuerspektakel begleitetes "Sympathy for the Devil" fehlten nicht. Mit der Zugabe "You Can't Always Get What You Want", bei dem das Publikum mit "but if you try sometimes, you get what you need" in den Refrain einstimmte, fand das Konzert schließlich einen würdigen Abschluß.

Im Publikum saß auch der frühere österreichische Action-Darsteller und jetzige republikanische Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, über den Jagger sich in einer Ansage lustig machte. Leute aus Kalifornien seien gekommen, um Kappen und T-Shirts zu verkaufen, frotzelte er in Anspielung auf eine Spendensammlung, mit der Schwarzenegger die Werbung für eine Politkampagne finanzieren will. 100 000 Dollar (82 000 Euro) mußte lockermachen, wer beim Stones-Konzert neben dem Politiker in dessen VIP-Loge sitzen wollte. Für 10 000 Dollar bekamen Schwarzenegger-Fans immerhin noch Sitze in der Mitte der ersten Reihe auf der normalen Zuschauertribüne.

Gerüchte, daß diese Tour ihre letzte sein könnte, hatte Jagger schon vor dem Start zurückgewiesen: "Wir denken nie an so etwas. Wir nehmen jede Tournee, wie sie kommt." In den USA und Kanada wollen die Stones dieses Jahr mehr als 30 Konzerte geben. Danach ziehen sie weiter nach Lateinamerika und Asien. Ab Juni 2006 tourt die Superband durch Europa. Die Konzerttermine für Deutschland stehen noch nicht fest.afp, ap

 

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