Momente des Glücks
Ein grauer Tag. Bewölkt ist der Himmel, bewölkt ist das Hirn, das heute keinen geschmeidigen Satz zustande bringen will. Das Thema, zu dem ich schreiben soll, ist nicht von dieser Welt: das Intranet als zentrales Medium in der Mitarbeiterkommunikation. Viel lieber würde ich frei über Tiere referieren, über Kleintiere, Kaninchen, weich und kuschelig. Was sie gern fressen, welche Musik sie hören, wie sie am besten schmecken.
Ach ja, das Intranet, beginne ich meinen Text, das ist schon eine ganz feine Sache . . . Nein, so hat das keinen Zweck, das ist reiner Krampf. Nur eine Kopfwäsche, denke ich, eine damit verbundene Kopfmassage mit anschließendem Haarschnitt kann hier rasche Abhilfe schaffen. Oh ja, ein semi-erotisches Erlebnis, und die Synapsen werden wieder zuverlässig schnappen! Also dann, auf in den Friseursalon, der gleich um die Ecke liegt.
Ich habe Glück, da ist noch ein Plätzchen frei. Und damit nicht genug, auch die mir zugewiesene Dienstleisterin entspricht meinen Erwartungen. Dunkelblond, lockig, lächelnd, eine prächtige Frau, Gott muß sich für ihre Erschaffung sehr viel Zeit genommen haben (" . . . na, da nehme ich doch von den Hüften lieber noch etwas weg und packe es weiter oben hin . . . jawoll, so wird ein Schuh draus!"). Und schon drückt die Schöne mein Genick in die Einbuchtung des Waschbeckens und streift Gummihandschuhe über die feinen Finger. "Ich habe mir gestern den Zeigefinger verletzt", erklärt sie, "da ist man doch ganz schön behindert."
Handwarm strömt alsbald das Wasser, filigran fahren Fingerkuppen über den shampoonierten Schädel, nein, von einer Verletzung ist da nichts zu spüren, ganz im Gegenteil: Ich werde künftig auf Handschuhen bestehen, das ist eine völlig neue Dimension der Haarwäsche, da kann man quasi hören, wie der Liquor durch die Ventrikel rauscht. Huuh, jetzt nimmt sie sich meine Okzipitalplatte vor - und das, obwohl in diesem Bereich kaum noch Haupthaar vorhanden ist. Bis ins Kleinhirn strömt die Energie; gut, daß ich sitze, sonst würde ich jetzt gewiß das Gleichgewicht verlieren. "Klasse machen Sie das", sage ich. "Es müßte Geräte geben, die das so gut beherrschen, davon könnte man sich eines hinter den Schreibtischstuhl stellen und sich den ganzen Tag über entspannen." Die Künstlerin lächelt. "Ja schon", sagt sie und rubbelt mir liebevoll den Kopf trocken, "aber wenn so etwas eine tägliche Selbstverständlichkeit wäre, würde man sich ja nicht mehr so darauf freuen, oder?" Wie gesagt: Gott muß sich sehr viel Zeit gelassen haben.




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