Abschied von "Pepe"
Trauerfeier für den einstigen Regierungssprecher und "Bild"-Chef Peter Boenisch
Tegernsee/Hamburg. Peter Boenisch hat seine letzte Ruhe gefunden: Der große deutsche Journalist wurde am Freitag auf dem Bergfriedhof in Gmund am Tegernsee an der Seite seiner Frau Julia beigesetzt, die im Mai 2004, nur 41 Jahre alt, einer Blutvergiftung erlegen war. Mehr als 400 Freunde und Weggefährten begleiteten den ehemaligen Chefredakteur von "Bild", "Bild am Sonntag" und "Die Welt", der vor einer Woche im Alter von 78 Jahren gestorben war, auf seinem letzten Weg.
Peter und Julia Boenischs Kinder Nanja-Maresa (7) und Nika-Luna (5), die binnen 14 Monaten zu Waisen geworden sind, blieben auf Wunsch der Familie der Trauerfeier fern. "Wir werden Dich immer lieb haben, Deine Nanja und Nika", steht auf einem blutroten Rosenherz am Grab.
"Kindertränen sind kein Motiv für die Öffentlichkeit", sagte Pfarrer Klaus Hurtz, Boenischs Vertrauter, beim Trauergottesdienst in der barocken Pfarrkirche St. Egidius. "Wir müssen ihnen Raum für ihre stille Trauer geben."
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nannte den Verstorbenen in seiner Trauerrede einen "wahrhaft unabhängigen Kopf". Als Blattmacher und Kommentator habe Boenisch ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte mitgeprägt. Er sei "ein Eiferer für Einheit, Demokratie und Freiheit" gewesen, aber auch "ein Journalist von intellektueller Größe und Redlichkeit".
"Leb wohl, Peter! Du wirst uns allen unwahrscheinlich fehlen!", rief Michail Gorbatschow (74), der ehemalige russische Präsident, seinem Freund am offenen Grab nach. Und den Kindern des Ehepaares Boenisch versprach er: "Wenn ihr mich braucht, bin ich immer für euch da!"
"Wo bleibt die Lebensgerechtigkeit?", fragte Pfarrer Hurtz angesichts der Tragik, die den Tod von Julia und Peter Boenisch überschattet. Er fand keine Antwort. Aber er machte deutlich: "Wir sind nicht die Geschworenen Gottes, die zu befinden haben, ob es vielleicht nicht ganz verantwortlich war, mit 70 noch einmal Vater zu werden. Wir sind die Verschworenen des Freundes, der von uns gegangen ist und dessen Kinder wir jetzt anzunehmen haben."
Unter der glühenden Sonne über dem Tegernsee - "Wen Gott liebt, den läßt er fallen in dieses Land", sagt man - folgten dem toten "Streiter für Deutschland" Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ehefrau Doris, die Verlegerin Friede Springer, der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der russische Botschafter in Berlin Vladimir Kortenev, Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble, Franz Beckenbauer mit der fast kompletten FC-Bayern-Spitze, alle Bürgermeister des Tegernseer Tales und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, den Peter Boenisch kurz vor seinem Ende gebeten hatte, die Trauerfeier zu gestalten.
Der Bundeskanzler verneigte sich tief vor dem rosengeschmückten Eichensarg, seine Frau Doris schlug ein Kreuz. "Good bye, Pepe - Danke für den Ami-Mond" erinnerte die "Bild"-Zeitung auf einer riesigen Kranzschleife an die berühmteste Schlagzeile ihres genialen Blattmachers: "Der Mond ist ein Ami", hatte Boenisch anno 1969 die Nachricht von der ersten Mondlandung der Amerikaner getitelt.
Gewiß würde "Pepe", wie ihn die "Bild"-Journalisten einst nannten, lächeln, wenn er hören könnte, wieviel Lob und Respekt dem "umstrittensten Journalisten der Republik" vor und nach seinem Tod entgegengebracht wurde: "Er war ein brillanter Kopf mit der seltenen Begabung, mit wenigen Worten alles auf einen Punkt zu bringen. Er war ein ganz toller Typ, Himmel und Erde waren bei ihm ganz nah beieinander", brachte es Prof. Bernhard Servatius, der langjährige Weggefährte, ebenso bündig auf einen Punkt. "Und er war nicht ängstlich, seine kämpfende Kirche zu vertreten. ,Ich stehe zu meiner Kirche!', sagte er häufig."
Vor einer Woche hatte Peter Boenisch die müden Augen für immer geschlossen. Das letzte, was er in diesem Leben hörte, war das Angelus-Läuten der Kirchen am Freitagmittag. Wenige Minuten nach 12 Uhr war er gestorben. Wie es heute scheint, hatte sein unruhiges Herz zuletzt auch Frieden gefunden:
"Es ging schon mal besser, aber auch schon viel schlechter", sagte er vier Tage vor dem Ende zu einem Freund. "Aber ich kann jetzt ganz ruhig sein; denn ich habe alles niedergeschrieben." Er war sich sicher, die Zukunft seiner Kinder abgesichert zu haben. Als er die kleinen Mädchen zum letzten Mal gesehen hatte, hatte er mit den Worten Abschied genommen: "Euer Vater muß auf eine längere Reise gehen . . ." Die längste Reise Peter Boenischs endete auf dem Bergfriedhof Gmund, an der Seite seiner jungen Frau, über deren Tod er nicht hinweggekommen war.




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