Hamburg. "Ich hasse Computerspiele", behauptet Tom Stromberg - aber man muß ihm ja nicht alles glauben. Zu seinem Abschied nämlich, nach fünf turbulenten Spielzeiten am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, hat sich der Noch-Intendant für sein Publikum, für die Mitarbeiter und Freunde des Hauses etwas Besonderes überlegt: ein Computerspiel. Der "Rückblick 2000-2005" auf CD-ROM - scheibenweise digitale Sentimentalität sozusagen.
Gemeinsam mit einem neugierigen Pärchen (gesprochen von Wiebke Puls und Bjarne Mädel) besucht der User die verschiedenen Ebenen des Theaters und findet hinter Türen, Vorhängen, Plakaten und Fernsehern ausgewählte Videoausschnitte von Vorstellungen, Fotogalerien, Tondokumente oder Kurzporträts.
Schauspieler Bernd Moss dient dabei als "Weiter"-Klickvorlage. Ein Computerspiel im eigentlichen Sinne ist dieser virtuelle Rundgang nicht (mit Ausnahme einer amüsanten kleinen Episode, während der das Pärchen dem nackten Othello-Flitzer ausweichen muß), aber doch eine auffallend liebevoll gestaltete Alternative zum sonst üblichen Abschiedsbuch. 20 000 Exemplare sind von heute an im Theater erhältlich (Schutzgebühr zwei Euro, Leporello-Empfänger erhalten einen Gutschein).
Der kreative Kopf hinter der Arbeit ist Illustrator Claudius Strack, der die Idee während eines Praktikums in der Grafikabteilung des Schauspielhauses entwickelte. Strack, der rund zwei Monate an den Figuren und Szenerien zeichnete, ist sowohl für das Konzept als auch für die Grafik verantwortlich, um die Umsetzung kümmerte sich Programmierer Ralf Boller.
Ach ja: Wer beim Spielen eine Galerie mit "Lieblingsfeinden" oder die "Moorhuhn"-Variante mit ehemaligen Kultursenatorinnen erwartet hat, kann lange suchen. Ein nettes Detail aber fällt doch auf: Die Autos vor dem Schauspielhaus fahren in der virtuellen Version auf der verkehrten Straßenseite. Ein letztes charmantes Gegen-den-Strom zum Abschied.

